Illustration: KI-Hype

Der KI-Hype beim Texten und die schlichte Wahrheit

Hinweis: Diesen Artikel hat ChatGPT mit einem ausgefeilten Prompt und einem «Klärungsdialog» geschrieben. Das Ergebnis ist insgesamt gut gelungen, aber nicht perfekt. Ich veröffentliche es unredigiert, um zu zeigen, was KI heute kann und nicht kann.

Nur die Formatierung habe ich an unsere Standards für diesen Blog angepasst. Das Bild ist von der KI «Midjourney» erstellt worden. Beide KIs haben diese Inhalte erst nach «gutem Zureden» produziert. Eine einfache Anordnung: «Schreibe einen Text über die Stärken und Schwächen von ChatGPT» oder «Produziere ein Foto von einer Frau und einem Roboter» sind zu wenig. Unter dem Artikel erkläre ich noch detailliert, wie ich vorgegangen bin, um ChatGPT zu diesem Artikel zu überreden.

Keine Magie, aber fast

Glaubt man den Versprechungen vieler KI-Tool-Anbieter, können Systeme mit künstlicher Intelligenz so gut wie alles und noch dazu schneller und besser als Menschen. Wenn es um die Kunst des Schreibens geht, kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Als Autor des Buches «Besser Schreiben mit KI» und Dozent zahlreicher Kurse für Texter:innen, die ihr Schreiben mit KI optimieren möchten, bin ich mit der Materie bestens vertraut.

Lassen Sie uns also die Sache klarstellen: KI wird Ihnen Ihre Arbeit nicht abnehmen. KI wird auch nicht Ihren Arbeitsplatz vernichten. Ihr Arbeitsplatz geht nicht an ein KI-System, sondern an einen Menschen, der ein KI-System clever benutzt.

KI und Qualität

KI-Systeme sind «willige» Assistenten, die Ihnen zuarbeiten und Ihre Textproduktion beschleunigen können. Aber lassen Sie sich nicht täuschen, sie ticken ganz anders als wir Menschen. Wenn Sie eine KI einfach losschreiben lassen, kommt fleissig zusammengeschriebener Allerweltstext auf Wikipedia-Niveau heraus. Das ist schon besser als nichts, aber viel zu wenig, um im Netz (SEO) oder in der realen Welt Aufmerksamkeit zu erregen. Beispiel (schwacher Prompt):

«Schreiben Sie einen Artikel über Zeitmanagement.»

Eine solche Aufforderung führt zu einem Allerweltstext auf Wikipedia-Niveau. Die ersten Zeilen könnten so aussehen:

Zeitmanagement ist die Kunst und Wissenschaft, seine Zeit optimal zu nutzen, um seine Ziele und Aufgaben effizient zu erledigen. Es umfasst eine Reihe von Techniken und Methoden...

Jetzt, im Gegensatz dazu, ein präziserer, zielgruppenspezifischer Prompt:

«Schreiben Sie einen Blogbeitrag mit dem Titel 'Zeitmanagement-Tipps für alleinerziehende Mütter, die Job und Kindererziehung unter einen Hut bekommen müssen'.»

Mit einem solchen Prompt wird die KI angewiesen, nicht nur allgemein über Zeitmanagement zu schreiben, sondern spezifische, relevante Informationen für eine bestimmte Zielgruppe zu liefern. Die ersten Zeilen könnten so aussehen:

Als alleinerziehende Mutter fühlt es sich oft so an, als hätte der Tag nicht genug Stunden, um Job, Kindererziehung und die eigene Selbstfürsorge unter einen Hut zu bekommen. Doch keine Sorge, es gibt eine Reihe von Zeitmanagement-Strategien, die speziell auf Ihre Situation zugeschnitten sind und Ihnen helfen können, den Tag besser zu meistern...

Wie Sie sehen, bringt der zweite, präzisere Prompt einen Text hervor, der viel näher an den Bedürfnissen und Interessen der spezifischen Zielgruppe ist. Gutes Prompt-Engineering ist daher eine entscheidende Kompetenz beim Schreiben mit KI.

Der Schlüssel: Prompt-Engineering

Prompt-Engineering, das geschickte Formulieren der Aufträge, die an die KI gerichtet werden, kann die Qualität der Texte massiv verbessern. Die KI ist wie ein kluges Kind, sie tut genau das, was Sie ihr sagen. Deshalb sollten Sie sich Ihre Anweisungen gut überlegen. Nehmen wir als Beispiel einen simplen Prompt wie:

«Erkläre die direkte Demokratie.»

Eine KI könnte darauf antworten:

Die direkte Demokratie ist eine Form der Demokratie, bei der die Bürgerinnen und Bürger direkt über bestimmte politische Fragen abstimmen. Im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie, bei der die Bürger ihre Stimme an gewählte Vertreter abgeben...

Jetzt fügen wir eine Prise Prompt-Engineering hinzu:

«Erkläre die direkte Demokratie im Stil der NZZ, aber so, dass eine schlaue 13-Jährige den Text mühelos versteht.»

Und voilà, die KI antwortet:

In der direkten Demokratie, wie wir sie in der Schweiz kennen, haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, direkt über politische Fragen zu entscheiden. Stell dir vor, du könntest bei jeder wichtigen Entscheidung in deiner Schule mitbestimmen, anstatt nur deine Klassensprecher wählen zu können...

An das Niveau guter Texter:innen kommen KI-Texte trotzdem nicht heran. Aber wenn man es richtig anstellt, ist der Text, den eine KI produziert, viel besser als das, was ein ungeübter Laie schreiben kann.

Content-Kronjuwelen und KI

Content-Kronjuwelen können KI-Systeme nicht schreiben. KI kann Ihnen aber schon bei Konzept und Ideenfindung helfen, indem Sie mit dem System die Probleme «besprechen», die der Text Ihnen bereitet.

Wenn Sie nicht wissen, wie Sie ein Thema angehen sollen oder irgendwo feststecken, kann KI ein «Gesprächspartner» sein, der Sie aus der Sackgasse lotst.

Schauen Sie sich dieses Gespräch mit der KI an:

Frage: «Ich möchte einen Artikel über benzinsparendes Autofahren schreiben. Wie könnte ich den Artikel gliedern?»

KI-Antwort:

Eine effektive Gliederung für einen solchen Artikel könnte folgendermaßen aussehen:

  • Einführung: Warum ist Benzinsparen wichtig? (Umweltaspekte, Kosteneffizienz)
  • Fahrtechniken zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs (sanftes Beschleunigen, vorausschauendes Fahren, optimaler Gangwechsel)
  • Auto-Wartungstipps zur Verbesserung der Kraftstoffeffizienz (Reifendruck prüfen, regelmäßige Inspektionen, Gewichtsreduzierung)
  • Die Rolle der Technologie beim Benzinsparen (Bordcomputer, Hybridautos, Apps)
  • Schlussfolgerung: Die Vorteile eines benzinsparenden Lebensstils.

Das ist doch schon ein ordentlicher Anfang.

KI als Content-Multiplizierer

KI-Systeme sind besonders stark, wenn bestehende Inhalte modernisiert oder für zusätzliche Kanäle aufbereitet werden sollen (vom Blogartikel zum Newsletter, zum LinkedIn-Post, zum Tweet…). Nehmen wir an, Sie wollen sich mit diesem Artikel in die LinkedIn-Diskussion um KI im Marketing einmischen. Dann kann die KI Ihnen aus dem vollständigen Text des Artikels einen kurzen LinkedIn-Beitrag machen.

Auftrag: «Mach aus diesem Artikel einen aufmerksamkeitsstarken LinkedIn-Post, der auf diesen Artikel verlinkt.»

Ergebnis:

Haben Sie auch schon gehört, dass Künstliche Intelligenz (KI) uns alle, auch die Texter, bald überflüssig machen wird? In meinem neuesten Artikel räume ich mit einigen Missverständnissen auf und zeige, was KI beim Schreiben wirklich kann und was (noch) nicht.
Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. KI ist kein Zauberstab, aber auch kein Untergang für kreative Berufe. Vielleicht ist sie eher ein cleveres Werkzeug, das uns in unserer Arbeit unterstützen kann, wenn wir wissen, wie man es geschickt einsetzt.
Werfen Sie einen Blick auf meinen Artikel und entdecken Sie die "schlichte Wahrheit" über den KI-Hype beim Texten. Link zum Artikel

Das reißt mich nicht vom Hocker. Aber immerhin ein Anfang und – der Beweis dafür, dass die KI es ganz allein doch noch nicht kann.

KI im Storytelling

Beim Storytelling kann KI helfen. Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine kleine Geschichte schreiben, die in einem schwedischen Fischerdorf spielt. KI kann Ihnen Orte, Straßennamen, Figurenskizzen erstellen. Frage an die KI:

«Wie könnte ein schwedischer Fischer heissen, der in einem kleinen Fischerdorf um die Jahrhundertwende lebt, und wie könnte das Dorf heissen?»

Antwort: Der Fischer könnte Erik Lundgren heißen. Als typisch schwedischer Name passt Erik gut zu einem Fischer in dieser Zeit. Das Dorf könnte den Namen Havsby tragen, was auf Schwedisch «Meeresstadt» bedeutet und die Nähe zur Küste und zur Fischerei betont.

KI: Ein hilfreicher, aber nicht unfehlbarer Assistent

Aber Achtung: Manchmal schreiben KI-Systeme hanebüchenen Unsinn, lassen es aber wie gut recherchiert klingen. Daher immer Fakten checken. Wie bei einem sturmerprobten Seemann, der in einer Hafenkneipe gerne Seemansgarn spinnt.


Wie dieser Artikel entstand

Das Geheimnis guter KI-Texte sind, das zeigt auch dieser Artikel, raffinierte Prompts. Meine Prompts sind oftmals eine ganze Seite lang. Sie enthalten genaue Angaben zur Textart, zum Publikum, zur Tonalität und zu den gewünschten Formatierungen. Auch das Thema gebe ich präzise vor. Beim Thema schreibe ich nicht nur einen Satz, sondern gebe viele weitere Hinweise, die mir dazu einfallen als «Stichwortliste» mit, die ChatGPT bei der Texterstellung berücksichtigen soll. Das ergibt dann oft (nicht immer) einen gelungenen Rohtext, den ich nach kurzer Endbearbeitung in die freie Wildbahn entlasse.

Wie die meisten Texter habe ich meine Spezialthemen. Ich schreibe überwiegend Texte für Menschen, die sich für gute Sprache interessieren. Auch meine Schreibstimme hat ein klares Profil: hilfsbereit, verständlich, klar gegliedert, mit einer Prise Humor. Das bedeutet: Grosse Teile meiner Anweisungen an die KI bleiben immer gleich. Ich kann meine ausgefeilten Prompts mit geringen Anpassungen wieder verwenden. Inzwiscchen habe ich raffinierte Vorlagen für wiederkehrende Aufgaben und muss meist nur noch die Details zum Thema und meine Inhalts-Stichpunkte ergänzen. Das ist, trotz allem, anspruchsvolle Denkarbeit im Vorfeld der Texterstellung.

Zu Themen, von denen ich keine Ahnung habe, könnte ich auch mit ChatGPT keine eindrucksvollen Texte schreiben, weil es meine Sachkunde braucht, der KI genau die Hinweise mitzuliefern, die dem aktuellen Thema eine originelle Perspektive abgewinnen.

Denn darin versagen KI-Systeme völlig: Originelle Texte können Sie einfach nicht schreiben. Wer ihnen nur rasch ein Thema vorgibt und sie ansonsten «machen lässt», erhält einen nahezu korrekten, die Selbstverständlichkeiten nüchtern abarbeitenden Text. Fade Kost also. Aber wenn ich mich auskenne und ChatGPT genaue Anweisungen gebe, wie die Argumentation angelegt werden soll, macht die KI mir einen soliden Rohtext, der diesen Gedankengang, schmucklos aber brauchbar, umsetzt.

Für diesen Text hatte ich so gut wie alle Gedanken selbst vorgegeben. Ich habe aber einfach im «Brainstorming-Modus» drauflosgeschrieben und mir weder über die Reihenfolge der Ideen, noch über gelungene Formulierungen und Orthografie Gedanken gemacht (ich bin ein schrecklich schlechter Tastaturschreiber, der wegen seiner dicken Finger oft zwei Tasten gleichzeitig erwischt). Daher war die Ideensammlung für diesen Text in 10 Minuten erledigt. Dann kam von ChatGPT ein Rohtext. Dieser Rohtext unterschied sich noch stark von dem hier gezeigten Ergebnis, weil er keine Beispiele enthielt. Nehmen wir zum Beispiel den Abschnitt mit der direkten Demokratie. Der klang in der ersten Fassung so:

Rohfassung vor Überarbeitung:
Durch Prompt-Engineering, also das geschickte Formulieren der Aufträge, die an die KI gerichtet werden, lässt sich die Qualität der Texte massiv verbessern. Die KI ist wie ein kluges Kind, sie tut genau das, was Sie ihr sagen. Deshalb sollten Sie sich Ihre Anweisungen gut überlegen.
An das Niveau guter Texter:innen kommen Sie trotzdem nicht heran. Aber wenn man es richtig anstellt, ist der Text, den eine KI produziert, viel besser als das, was ein ungeübter Laie schreiben kann.

Also habe ich ChatGPT Anweisungen gegeben, in die einzelnen Abschnitte Beispiele mit guten und schlechten Prompts einzufügen:

«Ergänze Beispiele. Schreibe einen simplen Prompt für eine Erklärung der direkten Demokratie. Dann schreibe diesen ausgefeilten Prompt: «Schreibe im Stil der NZZ, aber so, dass eine schlaue 13-jährige den Text mühelos versteht» und zeige beide Textanfänge.»

Nach dieser Aufforderung erhielt ich den Absatz so, wie er oben veröffentlicht ist.

Diese Endbearbeitung zeigt zweierlei: Auch beim Schreiben mit KI braucht man Wissen und Erfahrung, um etwas Gutes zu schreiben. Ich weiss, welche Zusätze einem Prompt gut tun und deshalb konnte ich die Anweisungen für das Beispiel rasch formulieren. Das zweite ist: Wer einen blassen Rohtext aus der KI bekommen hat, kann die KI mit gut überlegten Überarbeitungsanweisungen dazu bringen, daraus etwas sehr viel Lesenswerteres zu machen.

Auch bei Midjourney sind ausgefeilte Prompts wichtig. Midjourney versteht Deutsch nur schlecht. Daher prompte ich bei Midjourney immer auf Englisch (wer nicht gut Englisch kann, nimmt einfach deepl.com zum Übersetzen). Für das Bild zu diesem Beitrag habe ich den folgenden Prompt verwendet:

«Generate a photorealistic image of an ordinary looking working class woman aged 45. Next to her stands one robot assistant that looks like r2-d2 awaiting orders. The woman sits at her desk focused on her work in front of a modern iMac facing a window looking out on a zurich city neigbourhood. Camera: Nikon analog film SLR 50mm 1:1.2 shallow depth of field some film noise Kodachrome --ar 3:2.»

Der Zusatz «--ar 3:2» bedeutet dabei, dass ein Bild im Querformat erzeugt werden soll. Ohne diesen Hinweis produziert Midjourney quadratische Bilder.

Ich hoffe, dieser Artikel bringt Sie auf ein paar gute Fährten für Ihre Arbeit mit KI. Noch mehr Infos gibts in meinem Buch und, wenn Sie direkten Austausch mögen und gerne in einer Gruppe lernen, in meinem Kurs Schreiben mit KI – so kommen Sie auf die Überholspur.

Zu guter Letzt: Helfen Sie uns und teilen Sie diesen Artikel in den sozialen Medien oder per E-Mail. Wir haben kaum Budget für Werbung und sind auf Empfehlungen angewiesen.

Danke.

Das wars für heute.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer