Illustration: Kreatives Schreiben aus der Rümpelkammer

Kreatives Schreiben aus der Rümpelkammer

Heute werfen wir einen unzensierten Blick in unsere innere Rümpelkammer. Da suchen nur wenige nach Inspiration für ihre Schreibfreude. Schade eigentlich, denn genau dort finden Sie Ihre ureigensten Schätze.

Vielleicht wäre es Ihnen lieber, wir schauten in unsere innere «Schatzkammer». Aber das lassen wir fein bleiben.

Einfach anfangen

Schreiben ist ein Luxus, den Sie sich einfach gönnen können. Schreiben verwandelt das Leben. Wer schreibt, lebt dreimal:

  • einmal so, wie alle anderen
  • dann noch einmal beim Schreiben
  • und dann, wenn das Schreiben zur Gewohnheit wird, ein drittes Mal, weil alles, einfach alles als Material zum Schreiben taugt und deshalb aufmerksam betrachtet wird.

Wer schreibt und ein Gewitter erlebt, flüchtet nicht ins Haus. Wer schreibt und ein Gewitter erlebt, lässt sich bis auf die Knochen nassregnen, um jedes Detail aufzusaugen: Das grelle Weiss der bizarr verästelten Blitze, die die Nacht für eine Sekunde zum blassen Leichnam eines Tages machen. Wie die Luft zum Bersten schwer ist, die ganze Natur den Atem anhält bis es endlich losbricht und alle Spannung niederreisst. Ein Segen zuerst, doch dann vielleicht bedrohlich, wenn die Bäume knarzend schwanken, Blachen und Giesskannen über die Häuser fliegen und der ungestüme Wind an Dächern, Fensterläden und Blumenkübeln reisst. Wie die Tropfen klingen, wenn Sie auf Asphalt, auf Wiese und auf Autodächer prasseln, wie das Wasser gegen Unterböden trommelt, wenn Autos durch Glunken preschen, wie es spritzt und auf dem Gehsteig niedergeht, wohin die Katzen flüchten, die es nicht rechtzeitig nach Hause schaffen. Wie die Tropfen in die Kleider dringen, Schicht für Schicht durchweichen, wie wir nach Hause rennen und im Hausflur Pfützen machen, wie wir das enge Zeug kaum von den Gliedern kriegen, halbnackt durch die Wohnung sausen und uns in trockene Kleider werfen. Wie das Herz pocht, ob des Abenteuers, mit dieser Wildnis eins zu sein.

So klingt das dritte Leben, wenn Sie schreiben.

Das Wichtigste ist das Anfangen. Warum hadern und sich sagen: «Ich würde ja gern, aber ich habe kein Talent.» Oder «Ich würde ja gern, aber ich weiss noch nicht genau worüber». Oder «Ich würde ja gern, aber mein Schreibstil ist zu schlecht.»

Alles, was Ihnen fehlt, entwickelt sich, sobald Sie dem Schreiben Zeit widmen.

Knipex 03/160

Knipex-Zange

Vor sieben oder acht Jahren fand ich auf dem Basler Flohmarkt eine verrostete Kombizange. Für einen Franken durfte sie mit. Dann habe ich sie gereinigt, geölt und poliert und jetzt strahlt sie mich aus der Schreibtischschublade an, wenn ich Klebstoff oder Büroklammern suche. Dann strahle ich zurück und geniesse das kleine Glück dieser unwahrscheinlichen Freundschaft.

Und jetzt kommt das Schreckliche: Stellen wir uns vor, die Zange hätte in einer Schatzkammer gelegen, ich hätte «Sesam öffne dich!» gerufen und wäre hineinspaziert. Gold und Glitzer hätte mich geblendet. Ich hätte sie gar nicht bemerkt, wie sie so kleinlaut im Halbdunkel lag. Ich hätte mir eine protzige Kaiserkrone mit Rubinen und Diamanten geschnappt und sie in einen Tresor gesperrt.

Da ist mir die unbekümmerte Freundschaft zu meiner Knipex lieber.

Die kreativen Quellen

Sie möchten Ihre kreativen Quellen anzapfen und mit dem Schreiben Ernst machen.

Bravo.

Sie ahnen, dass es in Ihrem Inneren Schätze gibt, die einen Ausdruck suchen.

Ganz sicher.

Aber diese Schätze stecken in keiner Vitrine. Niemand hat sie aufpoliert und hübsch der Reihe nach einsortiert. Sie schlummern bescheiden zwischen altem Plunder: verstaubt, angelaufen und von Spinnweben bedeckt. Auf zehn Stücke Plunder kommt ein Schatz. Sie müssen genau hinsehen und etwas Fantasie aufwenden, um die Schätze zwischen all dem Unrat zu bemerken.

Versprochen: Sie finden Ihre Schätze. Aber Sie dürfen sich keine Schatzkammer vorstellen. Sonst sind Sie enttäuscht, wenn sie keine Kaiserkrone schreiben.

Am Anfang schreiben Sie vielleicht nur verrostete Nägel, abgebrannte Streichhölzer und leere Thunfischdosen, in denen ölige Brühe schwappt. Aber dann gelingt Ihnen eine Knipex 160 oder ein fast ganz heiler Briefbeschwerer, den Sie ins Bücherregal stellen, damit die Paperbacks nicht immer umkippen.

Und all das nur, weil Sie sich nicht zu schade waren, in einer Rümpelkammer zu suchen.

So schauen Sie in die Rümpelkammer

Scheue Wesen sind sie, die inneren Quellen. Kaum hören Sie sie leise glucksen, ist schon wieder Stille.

Je mehr Sie sich mühen, desto weniger hören Sie. Gerade so, wie Sie auch die Vögel nicht hören, weil Sie Schulbrote richten, Steuern bezahlen oder Teambesprechungen abhalten müssen. Ihr Alltagskopf hat keine Zeit für kreativen Schnickschnack. Der will durchs Leben kommen, Kühlschrank und Bankkonto füllen und dann seine Ruhe. Ihr Alltagskopf schaut kurz mal hin, findet nichts und hastet weiter.

Den Alltagskopf müssen Sie zurücklassen und mit Ihren inneren Augen suchen. An Orten suchen, wo es noch keine Erwartungen, keinen Ehrgeiz und keine Konventionen gibt. Da ist da, was da ist, und was nicht da ist, wird nicht vermisst.

Zu diesen Quellen machen wir uns auf: Frei von Erwartungen, furchtlos, fröhlich pfeifend und ein bisschen un-verschämt.

Einfach schreiben

Wir schreiben keine Meisterwerke. Wir schreiben etwas Schlichtes und Echtes und staunen, wie sehr das Echte uns berührt.

Natalie Goldberg, eine amerikanische Schriftstellerin, die das kreative Schreiben populär gemacht hat, ist berühmt für ihre rohen, wenig redigierten Texte, die sie direkt aus diesen Quellen schöpft. Während eines Vortrags in Santa Fe las sie einmal die Geschichte von der orangefarbenen Schale ihres Grossvaters vor:

Grossvater hatte eine orangefarbene Schüssel, die ich nie bemerkt habe. Klar, irgendwie habe ich sie doch bemerkt. Ich wusste, dass sie Grossvater gehörte, aber ich habe sie nie gesehen, so wie man viele Dinge nicht sieht, die jeden Tag da sind und zu einem sprechen, die man aber nie richtig wahrnimmt …

Zu den Dingen, die ich wusch und ins Wasser tauchte, gehörte auch diese glänzende Schale in der Farbe reifer Orangen. Ich fühle sie jetzt, nass und sauber, umgeben von der Luft des Sommers. Er ass jeden Morgen Cornflakes darin und die Flocken wurden matschig und klebten an den Seiten der Schüssel. Und manchmal knibbelte ich sie mit meinen Fingern ab und ass sie.

… Es hat Spass gemacht. Ich wusste es damals nicht, genauso wie ich die orangefarbene Schüssel nie wirklich gesehen habe. Stattdessen lauschte ich auf die Glocken des Glacéwagens, stand an der Spüle und kratzte mir mit dem Absatz meiner Schuhe die Mücken von den Beinen.

(Übersetzung Matthias Wiemeyer)

Solche Geschichten haben auch Sie in sich. Wir finden sie. 

So läuft es ab

Ein typischer Kursabend besteht aus:

  • kurzen Theorieblöcken, die Sie auf neue Ideen einstimmen
  • Gruppen- und Einzelübungen, in denen Sie ausprobieren und kleine Texte schreiben (der Kritiker hat frei)
  • wertschätzenden und hilfreichen Diskussionen
  • Anregungen für das Weitermachen nach dem Kurs.
Das steht hier nur, damit Sie sich die Struktur vorstellen können. Aber das Programm ist unwichtig. Wichtig ist das Glück, den inneren Reichtum zu finden. Wir unternehmen eine muntere, spielerische Reise, bei der auch viel gelacht wird. Und nach dem Kurs wissen Sie alles Wichtige, um selbst nach weiteren Schätzen zu suchen.

Für wen ist dieser Kurs geeignet

Dieser Kurs setzt nur eines voraus: Neugierde. Wenn Sie neugierig genug aufs Schreiben sind, um dem Thema einen Abend zu schenken, sind Sie in guter Gesellschaft.

Online-Kurs: Weils für diesen Kurs das beste Medium ist

Diesen Kurs bieten wir derzeit nur als Online-Kurs an. Ein Kursabend ist 3 Stunden lang (etwas flexibel, weil wir den anregenden Austausch nicht durch ein fixes Zeitlimit abschneiden wollen).

In drei Stunden werden Sie viel erfahren, kreative Impulse ausprobieren und Antworten auf Ihre Fragen erhalten. Diese Begegnung mit dem Schreiben passt auch hinter einen normalen Arbeitstag, wenn Sie dafür nicht extra anreisen und später wieder nach Hause fahren müssen. Dieser Kurs ist Wellness für den Geist. Sie werden Energie tanken, nicht verbrauchen.

Es ist angenehm, die eigenen Texte in einem Online-Kurs vorzulesen. Beim Vorlesen machen wir die Kameras aus. Wir sehen nicht, ob Sie stolz sind oder sich schämen und Sie sehen nicht, ob jemand lächelt oder die Stirn runzelt. Übrigens: wir zwingen niemanden, seine Texte vorzulegen. Aber Schreiben braucht Mut. Das können Sie beim Vorlesen üben. Nehmen Sie sich vor, sich zu trauen. Bei uns beisst niemand. Wir freuen uns auf Sie.

Rechtzeitig buchen

Wer früh bucht, spart: Bei Buchungen bis 8 Wochen vor Kursbeginn gewähren wir einen Frühbucher-Rabatt von 10% auf das Kursgeld. Auch Ratenzahlung ist möglich. Sprechen Sie einfach mit uns [Tel. 032 513 27 01].

Wenn Sie nachfolgend keine Kursdaten finden, rufen Sie uns bitte an (031 513 27 01).

Dann ist der Kurs vielleicht gerade ausverkauft und der nächste noch nicht geplant.