KI beim Schreiben – Studienergebnisse
KI und kreatives Schreiben – (k)ein Widerspruch?
KI im Beruf: Das benutzt heute fast jede:r. Aber KI und kreatives Schreiben – das passt doch überhaupt nicht zusammen, denken viele in unseren Kursen.
Ich will mir meine Schreibfreude nicht durch KI-Tools kaputt machen lassen. Schreiben ist Ausdruck eines inneren Bedürfnisses und meiner Persönlichkeit. Deshalb kommt es für mich nicht infrage, einem Tool zu sagen: «Schreibe für mich eine Kurzgeschichte über einen Dackel, der am liebsten Karotten frisst.» Diese Geschichte will ich mir lieber selbst ausdenken. Das ist anstrengender, aber auch befriedigender.
Hier und da darf KI ein kleines bisschen helfen: Ich lasse mir gerne das Tippen abnehmen. (Ich diktiere meine Texte und benutze das KI-Tool Whisper für die Übertragung meiner gesprochenen in geschriebene Worte.) Das ist für mich eine grosse Erleichterung.
Ein paar weitere Fälle gibt es noch, in denen ich KI als Assistenten zulasse. Diese decken sich interessanterweise mit den Ergebnissen einer Studie, die vor einigen Tagen meine Aufmerksamkeit erregte:
From Pen to Prompt
In der englischen Studie «From Pen to Prompt» wurden 18 Personen (vom Hobbyschreiber bis zum professionellen Songwriter) interviewt und in ihrem tatsächlichen Schreibprozess beobachtet.
Sie alle sind sich einig: Sie wollen KI nicht als Autopilot nutzen. Sie wollen die kreative Hoheit über ihre Texte um jeden Preis erhalten. Aber: In sinnvollen Grenzen ist ihr KI-Schreibpartner willkommen.
Die von mir geliebte Sprache-zu-Text-Umwandlung wurde kaum erwähnt. Aber als Helfer bei Schreibblockaden oder bei «kreativer Dürre» wird KI geschätzt: Wenn schon der Start schwerfällt, weil einem zum ersten Satz nichts einfällt, kann KI Ideen liefern.
Praxis-Tipp: Kreative Ideen fallen KI-Systemen schwer. Daher fragen Sie am besten nach 10, 20 oder 30 Ideen. Irgendein Impuls ist dann dabei, der die Einstiegshürde leichter macht. Manchmal sind es auch die schlechten Beispiele, die Sie auf die Idee bringen, in der entgegengesetzten Richtung zu suchen. So oder so: Mit KI haben Sie eine Möglichkeit mehr, sich aus der Klemme zu befreien.
Auch beim Strukturieren kann KI helfen: Gerade wer spontan schreibt, ohne detaillierten Plan im Voraus, kann KI benutzen, um Ordnung in Entwürfe zu bringen. KI kann Plot-Übersichten, Verknüpfungen zwischen Szenen oder Anmerkungen zu den Figuren generieren. Das ist so ähnlich, als wäre die KI ein Schreibgruppen-Mitglied, dem man eigene Entwürfe zeigt und Anregungen oder Kritik zu bekommen.
Praxis-Tipp: Viele Sprachmodelle loben die Ideen ihrer Benutzer allzu unkritisch. Ich kann einen miserablen Entwurf vorlegen, nach der Meinung der KI fragen – und werde mit Lob überschüttet. Das mag tröstlich sein, bringt mich aber nicht weiter. Daher immer nach Schwächen oder Verbesserungschancen fragen. Sie können sogar fragen, was Mark Twain, Rainer Maria Rilke oder der Chefredakteur der NZZ an Ihrem Text auszusetzen hätten. Dann wird die KI Ihren Entwurf an den stilistischen Merkmalen der Meister messen.
Auch für die sprachliche Überarbeitung setzen die befragten Schreiber KI gelegentlich ein. Aber nur in geringem Umfang, weil ihnen der Erhalt der «eigenen Stimme» wichtig ist.
Praxis-Tipp: Je origineller und eigenständiger Ihr Schreibstil ist, desto weniger werden Sie von einer KI-Stilkorrektur profitieren. KI orientiert sich an immer wieder auftretenden Mustern und liefert bestenfalls gehobenes Mittelmass. Wenn Sie einen verkorksten Absatz haben, in dem die Sätze zu verschachtelt und der Aufbau verwirrend ist, kann die KI daraus etwas Passables machen. Aus einem farblosen Entwurf ein brillantes Endergebnis machen kann sie nicht – die Farbe müssen Sie beisteuern.
KI und kreatives Schreiben – das kann funktionieren, aber nur, wenn der Mensch das Ruder fest in der Hand behält und die KI als hilfreichen Assistenten, nicht als Autopilot, benutzt.
Das wars für heute