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Zweifelsfälle der Rechtschreibung: 52 Stolperfallen zum Vermeiden

Die deutsche Sprache kennt eine lange Liste orthografisch schwieriger Wörter. Einige Schreibratgeber, auch die Duden-Redaktion, geben sogar Listen solcher Wörter heraus.

Warum wir unsere eigene*) zusammengestellt haben? Weil es viel leichter fällt, die Zweifelsfälle im Hinterkopf zu behalten, wenn man eine schlüssige Begründung für die korrekte Schreibweise gehört hat. Genau die liefert unsere Liste.

Matthias Wiemeyer 27.02.2016 8 Min. Lesezeit

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52 Stolperfallen zum Vermeiden

Falsch

Richtig

Kommentar

AddresseAdresseDas englische Wort «address» allerdings wird mit «dd» und «ss» geschrieben. Vielleicht kommt deshalb dieser Fehler so häufig vor.
agressivaggressivStammt aus dem Lateinischen und wird wie folgt getrennt: ag-gres-siv. Das erste «g» gehört zur Vorsilbe «ag», das zweite zu «gressiv». Daher Doppel-g
ArtztArztKommt vom mittelhochdeutschen «arzet» und wird daher mit einfachem «z» geschrieben.
assozialasozialNur ein «s», weil die Vorsilbe «a» lautet und das adjektiv «sozial» daraus folgt: «a-sozial» (analog: atypisch).
Barake, BarrackeBarackeNur ein «r» und mit «ck», so ist es im Deutschen richtig. Das englische Wort gleicher Bedeutung wird allerdings «barrack» geschrieben.
BravurBravourDas Wort haben wir Anfang des 18. Jahrhunderts  von den Franzosen ausgeliehen, wo «bravoure» so viel wie «Tapferkeit» bedeutet. Es geht auf das italienische «bravo» (tapfer, tüchtig) zurück. Daher darf das «o» nicht fehlen. (Bis Juni 2017 war auch die Schreibweise «Bravur» noch erlaubt, die Variante ist aber inzwischen aus dem amtlichen Wortverzeichnis gestrichen worden.)
BilliardBillardGeht auf das französische «billard» (Operationstisch) zurück.
BisquitBiskuitAbgeleitet vom italienischen «biscotto» (zweimal gebacken), ähnlich dem deutschen Wort Zwieback. Man kann der oder das Biskuit sagen.
brilliantbrillantVom französischen Verb «briller» (glänzen) abgeleitet.
E-mail, EmailE-MailAnalog zu E-Business oder E-Commerce. In Deutschland sind E-Mails meist weiblich: die E-Mail; in der Schweiz sind sie meist Neutren: das E-Mail. Beide Versionen haben Dudens Segen. Das Email ohne Bindestrich gibt es auch. In der Schweiz ist die Schreibweise Emaille gebräuchlicher. Das ist eine gebrannte Glasur zum Schutz metallischer Oberflächen.
EntgeldEntgeltKommt nicht von «Geld», sondern von entgelten. Der gleiche Wortstamm ist auch in vergelten/Vergeltung vorhanden.
ErgebnissErgebnisMit einem «s» – genau wie Verhältnis oder Wagnis
FrohnFronFrondienst, Fronarbeit, wie in Fronleichnamsfest. Fron ist die Arbeit, die dem Herrscher oder Gott gehört. Geht auf das mittelhochdeutsche Wort «vron» (Herrschaftsdienst) zurück. Das «o» wird lang gesprochen aber im Unterschied zu «Lohn» oder «Sohn» ohne h geschrieben.
fröhnenfrönenHat die gleiche sprachliche Wurzel wie Fron.
FrottéFrotteeDieses Wort ist inzwischen so selbstverständlich in der deutschen Alltagssprache angekommen, dass die französisch anmutende Schreibung Frotté inzwischen nicht mehr erlaubt ist. (Bis Juni 2017 war auch die Schreibweise «Frotté» noch erlaubt, die Variante ist aber inzwischen aus dem amtlichen Wortverzeichnis gestrichen worden.)
GallerieGalerieWird bei uns – wie auch im Französischen – mit einem «l» geschrieben. Die Italiener dagegen gönnen sich bei diesem Wort ein Doppel-l.
GelantineGelatineNach dem lateinischen «gelatina» (erstarrt). Das passende Verb ist nicht gelatinieren, sondern gelieren.
GeradewohlGeratewohlWenn jemand etwas aufs «Geratewohl» tut, dann in der Hoffnung, dass es «wohl» geraten, also gut gehen wird. Ob sich die Person gerade wohl fühlt, spielt dabei keine Rolle.
GradwanderungGratwanderungDiese Wanderung führt über einen Grat, also eine schmale Kante oder einen Bergkamm mit tiefen Abgründen zu den Seiten. Daher ist Vorsicht geboten.
GrafittiGraffitiNach dem italienischen «Graffito», einer in die Wand geritzten Inschrift. Übrigens: Auch im Deutschen ist Graffito die Einzahl dieses Wortes. Wer Graffiti sagt, benutzt die Mehrzahl: ein Graffito, zwei Graffiti.
gröhlengrölenNach dem niederdeutschen «gralen» (laut sein). Daher ohne «h», obwohl das «ö» betont ist.
hälsthältstDu hältst etwas fest – das kommt von «halten», nicht etwa von «halen». Daher das «t» bitte festhalten.
HobbiesHobbysFrüher wurde der Plural von «Hobby» im Deutschen genau wie im Englischen gebildet: «Hobbies». Mit der Rechtschreibreform von 2006 wurde diese Schreibung abgeschafft. Seither wird nur ein «s» angehängt. Das ist verwirrend, da viele Schreiber die korrekte englische  Schreibweise «hobbies», «ladies» oder «lobbies» kennen. Weil aber nicht verlangt werden kann, dass jeder deutsche Schreiber die korrekte Bildung der Mehrzahl in allen Fremdsprachen kennt, wird nun meist einheitlich ein «s» angehängt – was für alle die befremdlich ist, die gute Englischkenntnisse haben. 
hoffendlichhoffentlichDas Wort kommt nicht von «endlich», sondern von «hoffen». Es wird genau wie «willentlich» mit einem «t» geschrieben. (Siehe auch: morgendlich)
JacketJackett«Jacket» ist die englische Schreibweise. In der Mode orientieren wir uns aber eher an Frankreich, wo es «jaquette» mit zwei «t» heisst.
KetschupKetchup«Ketchup» haben die Amerikaner die würzige Tomatensauce getauft, die seither in aller Munde ist. Sie haben den Namen bei den Chinesen geklaut und die Schreibweise den eigenen Gepflogenheiten angepasst. Die ursprünglich mit der 2006er Rechtschreibreform eingeführte Schreibweise «Ketschup» hat unter Sprachliebhabern viel Polemik provoziert. Jetzt ist sie glücklicherweise vom Tisch. (Bis Juni 2017 war auch die Schreibweise «Ketschup» noch erlaubt, die Variante ist aber inzwischen aus dem amtlichen Wortverzeichnis gestrichen worden.)
LapalieLappalieEntstanden aus der Studentensprache im 18. Jahrhundert, geht auf «Lappen» zurück.
lizensierenlizenzierenEine Lizenz erteilen.
LooserLoserAus dem Englischen «to lose» (verlieren) abgeleitet. Auch wenn das «o» lang ausgesprochen wird, so wird es doch, wie im Original, nur einfach geschrieben. Nur Loser schreiben dieses Wort mit Doppel-o.
LybienLibyenDieses Wort wird nicht nur «Libyen» geschrieben, es wird auch so ausgesprochen. Das hört man selten, es stimmt aber trotzdem.
MajonäseMayonnaiseDas Wort haben wir aus dem Französischen «mayonnaise» übernommen.  Die Schreibweise mit «ä» war nach der 2006er Rechtschreibreform 10 Jahre lang zulässig. Man war also völlig im Recht, wenn man seine Pommes mit Ketschup und Majonäse bestellt hat. Aber echte Liebhaber der schnellen Küche konnten sich daran nie gewöhnen und sind einfach bei Pommes rot-weiss geblieben.  (Bis Juni 2017 war die Schreibweise «Majonäse» noch erlaubt, die Variante ist aber inzwischen aus dem amtlichen Wortverzeichnis gestrichen worden.)
MaschieneMaschineKommt vom lateinischen «machina» und wird daher mit einfachem «i» geschrieben. Der Fehler ist vielleicht so häufig, weil vermutet wird, Maschine käme von «Schiene».
MatrazeMatratzeMerke: So wie «Katze» oder «Tatze», so schreibt sich auch Matratze.
morgentlichmorgendlichBedeutet «wie am Morgen», analog zu alltäg-lich (wie im Alltag) und schreibt sich mit «d». Das «d» puffert den Übergang vom «morgen» zum «lich» und macht die Aussprache einfacher. Warum in diesem Fall ein «d» den Übergang glättet und bei «hoffentlich» und «willentlich» ein «t»? Das wussten wir lange auch nicht; bis Leser Marco Schmid uns aufklärte: Es ist eine Analogie zu «abendlich». Leuchtet ein, dass morgens und abends gleich gekoppelt wird.
NirvanaNirwanaVon sanskritisch «Nirvana» (Erlöschen, Vergehen) und trotzdem im Deutschen mit «w» geschrieben.
projezierenprojizierenObwohl das Wort die gleiche Wurzel wie «Projekt» oder «Projektion» hat, wird das Verb mit «i» geschrieben.
QuartzQuarzWie Harz oder Warze.
RenntierRentierDas Rentier ist kein Renntier, auch nicht, wenn es rennt.
ReperaturReparaturWenn etwas repariert wird, wird es wieder «parat» (bereit) gemacht. Daher das «a».
Rhytmus, RythmusRhythmusKommt aus dem Griechischen und wird wie viele griechische Wörter mit «rh» (wie Rhetorik) und «th» (wie Theologie) geschrieben.
RückgradRückgratDie Dornfortsätze der Rückenwirbel bilden auf dem Rücken eine Linie, ähnlich einem Grat (Bergkamm). 
sähensäenSäen kommt von Saat. Auch das Wort sähen existiert – als Konjunktiv zu «sehen». (Wenn sie mich sähen, würde ich ihnen zuwinken.)
seeligseligNach dem mittelhochdeutschen «saelec» (wohlgeartet, gut, glücklich). Das Wort «Seele» hat einen anderen Ursprung. Vermutlich liegt dieser in der altgermanischen Vorstellung, die Seelen der Toten und Ungeborenen lebten im Wasser (im See).
Saite, SeiteSeite, SaiteBeide Schreibweisen sind richtig, bedeuten aber Unterschiedliches. Die Saite gehört zu Klavier oder Geige, die Seite in ein Buch. Ganz ähnlich ist das Problem bei Laib und Leib. Ein frischer Brotlaib ist ein Genuss für Leib und Seele.  
StandartStandardDieses Wort haben wir aus dem Englischen übernommen, wo es ebenfalls mit «d» geschrieben wird. Das Wort «Standarte» geht zwar auf den gleichen Wortstamm zurück, wird aber mit «t» geschrieben.
StehgreifStegreifDer Stegreif heisst heute Steigbügel. Wer aus dem Stegreif sprechen muss, wird zum Reden genötigt, kaum dass er vom Pferd gestiegen ist und den Fuss aus dem Stegreif gezogen hat. Nicht weil man im Stehen nach Worten greift, sondern weil man direkt aus dem Steg-reif kommend etwas Kluges sagen soll, ist die Stegreif-Rede so anspruchsvoll.
SylvesterSilvesterSo nennen wir den letzten Tag des Jahres, weiI es der Todestag des heiligen Silvester (Papst von 314 bis 335) ist. Silvester ist also ein männlicher Vorname, der genau wie Silvia oder Silvan mit «i» geschrieben wird.
SyphonSiphonNach dem französischen Wort «siphon».
TerrabyteTerabyteTera- ist ein Bestimmungswort, das das Vielfache einer physikalischen Einheit bezeichnet. Es ist zu unterscheiden vom lateinischen «terra», das «Erde» bedeutet und zum Beispiel im «Terrarium» enthalten ist. Tera geht auf das griechische «teras» (ungewöhnlich gross) zurück. Ein Terabyte sind daher 1012 Byte (1012 ist eine Kurzform für 1000 000 000 000).
TerasseTerrasseIn diesem Wort steckt das oben schon erwähnte «terra», deshalb wird es mit Doppel-r geschrieben.
tolleranttolerantKommt nicht von «toll», sondern von «tolerieren», das wiederum auf das lateinische «tolerans» (duldend) zurückgeht.
verpöhntverpöntGeht auf das lateinische «poena» (Pein) zurück. Es ist daher verpönt (unerwünscht), es mit «h» zu schreiben.
WandalismusVandalismus«Vandali» nannten die Römer die die ostgermanischen Rüpel vom Stamm der Wandalen, die 455 Rom eroberten und die Stadt systematisch plünderten. Aber mit Schreiben hatten die Wandalen wohl wenig im Sinn. Daher ist ihr Name in der lateinischen Schreibweise amtlich. (Bis Juni 2017 war die Schreibweise «Wandalismus» noch erlaubt, die Variante ist aber inzwischen aus dem amtlichen Wortverzeichnis gestrichen worden.)
wiederspiegelnwiderspiegelnLeicht werden «wider» und «wieder» in der geschriebenen Sprache verwechselt. Das «wider» mit einem einfachen «i» beschreibt immer einen Gegensatz oder eine Umkehrung. Zum Beispiel in Widerstand, widerspiegeln, Widerrede, Zuwiderhandlung. Das Wort «wieder» mit «ie» wird zwar gleich betont, bedeutet aber, dass etwas erneut oder mehrfach vorkommt (Wiederholung, wiedergeben, wiederum …)

*) Quellen:Duden Verlag, Kluges Etymologisches Lexikon, Grimmsches Wörterbuch, Lorenz Derungs Arbeitsblätter Deutsch, eigene Recherchen

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Danke.

Das wars für heute.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer

Häufige Fragen

Welche Wörter werden im Deutschen besonders häufig falsch geschrieben?Zu den häufigsten Zweifelsfällen gehören: «aggressiv» (nicht «agressiv»), «Adresse» (ein d, zwei s), «Bravour» (nicht «Bravur»), «asozial» (nicht «assozial») und «Baracke» (nicht «Barake» oder «Barracke»). Viele Fehler entstehen durch falsche Übertragung der englischen Schreibweise ins Deutsche.
Schreibt man «aggressiv» mit einem oder zwei g?Zwei g – «aggressiv». Das Wort kommt aus dem Lateinischen und wird ag-gres-siv getrennt: Das erste g gehört zur Vorsilbe «ag», das zweite zum Stamm «gressiv». Dieser Fehler entsteht oft durch den Einfluss des Englischen, wo «aggressive» zwar auch zwei g hat, aber anders betont wird.
Wie hilft eine Begründung beim Einprägen der richtigen Schreibweise?Wörter mit einer plausiblen Herleitung bleiben viel besser im Gedächtnis als solche, die man einfach auswendig lernt. Wer weiss, dass «Bravour» aus dem Französischen «bravoure» stammt, vergisst das «o» nicht mehr. Deshalb liefert die Stolperfallen-Liste zu jedem schwierigen Wort eine Erklärung.
Warum schreibt man «Arzt» ohne zweites z?«Arzt» kommt vom mittelhochdeutschen «arzet» – ein zweites «z» hat es nie gegeben. Der häufige Fehler «Artzt» entsteht wohl durch das Muster ähnlich klingender Wörter. Wer die Herkunft kennt, macht den Fehler kaum.
Wie vermeidet man typische Rechtschreibfehler dauerhaft?Drei Wege: (1) Listen schwieriger Wörter mit Erklärungen prägen sich besser ein als blosse Korrekturen. (2) Tools wie LanguageTool erkennen Fehler im laufenden Text. (3) Gezieltes Korrekturlesen – einen Text laut vorlesen oder rückwärts lesen – hilft, Fehler aufzudecken.
Was gilt in der Schweiz bei Wörtern mit «ss» statt «ß»?In der Schweiz gibt es kein «ß» – es wird immer «ss» geschrieben: «Strasse», «Fuss», «heissen», «weiss». Das gilt auch in deutschen Texten, die für ein Schweizer Publikum geschrieben werden. Für Leser in Deutschland kann man das «ß» bei Bedarf wieder einsetzen, da dort beide Varianten bekannt sind.