Der goldige Apfel

Wie der König Karl sein Gedächtnis wieder fand und Gabi Glückskind und Zino ein ganzes Königreich retteten.

Loredana Lang-Piccinno

Der goldige Apfel

Es war einmal ein Land. Dort hatte es eine riesengrosse Wiese, auf der die Sonne jeden Tag vom Morgen bis am Abend schien. Auf dieser Wiese gediehen die prächtigsten und wunderschönsten Blumen in allen Farben. Die Wiese war so gross, dass man das Ende fast nicht sehen konnte und das Gras wuchs meterhoch. Und inmitten dieser grossen Wiese stand ganz stolz ein Apfelbaum, auf dem die saftigsten Äpfel heranwuchsen. Unterhalb dieses wunderschönen Baumes da stand ganz versteckt ein winzig kleines Schloss! Das Gras bedeckte es gut, so dass es noch nie von einem Menschen entdeckt wurde. Und genau in diesem Schloss wohnte ein König namens Karl. Er war ein guter König und sorgte sich um alle Tiere und Pflanzen. Und wenn jemand traurig war oder etwas auf dem Herzen hatte, dann stand seine Türe immer offen. Die grosse Wiese bot Lebensraum für viele Tiere und alle verstanden sich gut. Der König lebte natürlich nicht alleine auf dem Schloss. Seine treue Begleiterin war Gabi Glückskind. Sie hatte wunderschöne lange Haare und Blumen im Haar, die sie jeden Morgen frisch pflückte und sie stand dem König mit Rat und Tat zur Seite. Er hatte auch viele Untertanen, Gehilfen und Freunde, die auf dem wunderschönen Schloss mit ihm wohnen durften. Der König hatte immer viel Besuch und seine Gastfreundschaft war bekannt. Doch auch der wunderschöne Apfelbaum hatte wertvolle Bewohner. Dort oben wohnten nämlich der Baumelf Benno und die Baumfee Wilma, die das Essen für das ganze Schloss zubereiteten und es dann immer um die gleiche Zeit mit Hilfe eines grossen Korbes herunterseilten. Manchmal mussten sie mehr kochen, und manchmal wieder weniger, je nachdem wie viel Besuch der König gerade hatte. Sie kochten die leckersten Gerichte und das in kürzester Zeit in ihrer winzigen Küche im Apfelbaum. Es war ein wunderschönes Leben auf dieser Wiese.

Doch nebenan im tiefen Wald lebte ein böser Zauberer, der Max hiess und der unbedingt die Wiese mit all seinen Einwohnern beherrschen wollte. Er wollte alle Pflanzen für sich haben und studierte immer wieder neue Pläne aus, wie er den König überlisten konnte. Doch Gabi Glückskind kam ihm immer zuvor und liess es nicht zu, dass dieser böse Zauberer das ganze Königreich übernahm. Sie war nämlich sehr clever und trickste Max immer aus. Doch eines Tages geschah ein Unglück!

 

König Karl war gerade aufgestanden und reckte und streckte sich. Er lehnte sich aus seinem Schlossfenster und da passierte es! Ein reifer Apfel fiel vom Baum herunter und traf den lieben König am Kopf. Der arme König wusste nun nicht mehr, wer er war und vor allem wo er war. Er hatte das Gedächtnis verloren. Sofort teilten die Krähen, die die grosse Wiese tagein tagaus beobachteten dies dem Zauberer Max mit. Ihr könnt Euch vorstellen wie sich dieser böse Zauberer freute! Er zog sich in seine Zauberküche zurück, wo er alle seine Zauberbücher hervorholte, bis er ihn hatte: den Zauberspruch, den er schon lange suchte! Langsam aber deutlich sprach er ihn aus, während er in seine magische Kugel schaute:

 

„Wiesenkräuter und Tiergeflüster

 

die Wiese soll jetzt werden düster

 

wachsen sollen nur noch Zauberkräuter,

 

nicht erst morgen sondern heute.

 

Es werde Nacht und nicht mehr Tag,

 

so dass mich dieses Sonnenlicht nicht plagt.

 

Der Winter soll auch Einzug halten

 

und nicht mehr nur der Sommer walten.

 

Abrakadabra Simsalabim, sofort ich jetzt ins Schloss will!"

 

Da begann zuerst nur schwach, dann immer fester ein Wind zu blasen. Dieser wirbelte alles in die Luft, was nicht angebunden war. In seiner Zauberkugel konnte Max sehen, wie sein Wunsch endlich in Erfüllung ging. Die Wiese war nun nicht mehr grün, sondern braun. Es hatte keine Blumen mehr, sondern nur giftige Kräuter und es wehte ein kalter Wind, der alles erstarren liess. Alle Tiere litten, wussten aber nicht wohin. Es war eine Katastrophe! Und Max zog mit seinem bösen Gefolge in das Schloss ein. Gabi Glückskind wurde im Wald ausgesetzt, und ihre Haare wurden abgeschnitten. Anstelle ihrer wunderschönen Haarpracht wurde ihr ein Fliegenpilzhut aufgesetzt, den sie nicht mehr abnehmen konnte. Sie musste nun selber zurechtkommen, während König Karl im Schloss als Diener arbeiten musste. Jeden Tag wurde er auf die Wiese geschickt, um die giftigen Kräuter einzusammeln, die der Zauberer für seine Zaubertränke benötigte. Es herrschte grosse Traurigkeit auf der Sommerwiese.

 

Doch der Zauberer hatte ein Detail übersehen: Er hatte die kleinen Baumbewohner nicht entdeckt! Benno und Wilma sassen nämlich immer noch im Apfelbaum und suchten einen Weg, das Königreich zu retten. Den Apfelbaum konnte Max nämlich nicht verzaubern. Er versuchte es mehrere Male, doch dieser blieb immer blühend und voller Früchte. Damit hatte er sich wohl oder übel abgefunden und wenn ein Apfel auf den Boden fiel, musste der König Karl diesen aufheben und entsorgen, da der böse Zauberer gar keine Früchte essen wollte. Benno und Wilma waren verzweifelt! Es lag jetzt an ihnen das Königreich zu retten! König Karl hatte immer noch das Gedächtnis verloren und schien sich mit seinem neuen Leben abgefunden zu haben und war immer traurig. Doch niemand hatte mit Gabi Glückskind gerechnet.

 

Diese hatte nämlich unterdessen einen neuen Freund gefunden: Zino! Ein sehr weiser Zwerg, der schon seit Jahren in seinem kleinen Haus im Wald wohnte. Er hatte sie getröstet, als sie so verloren in diesem dunklen Wald umherirrte und seit dem Tag waren sie dicke Freunde geworden und sie durfte bei ihm wohnen. Eines Tages sagte Zino zu Gabi: „Weisst Du Gabi, ich glaube ich weiss wie wir den König retten können!" Gabi machte grosse Augen und war schon ganz gespannt. „König Karl muss den goldigen Apfel essen! Dieser fällt nur einmal alle 100 Jahre vom Apfelbaum und ich habe es ausgerechnet! In genau 2 Wochen um Mitternacht wird er wieder herunterpurzeln, und König Karl muss von diesem abbeissen, um sein Erinnerungsvermögen wieder zu erlangen und den Fluch vom Zauberer Max zu brechen!" fuhr er fort. Das waren wahrlich gute Neuigkeiten! Gabi liess einen Freudenschrei los, der bestimmt bis zum Königreich zu hören war. Und so schmiedeten Gabi und ihr Freund Zino einen Plan, um ihren lieben König zu retten.

 

Inzwischen wuchs der goldige Apfel heran und die Zeit drängte. Da Gabi von der Wiese verbannt worden war, konnte sie auch nicht Wilma und Benno vorwarnen oder um Hilfe bitten! Die Situation war kompliziert, doch sie mussten es einfach schaffen! Der König durfte den Apfel nicht wie alle anderen entsorgen, sondern musste davon essen! Oje, wie sollten sie das nur schaffen? Gabi und Zino beobachteten den Apfelbaum Tag und Nacht und sie wollten es nicht missen, den Apfel vom Baum fallen zu sehen. Und dann eines Nachts am besagten Tag um Mitternacht war es soweit. Der Apfel fiel vom Baum und blieb auf der Wiese liegen. Gabi und Zino blieben die ganze Nacht wach. Sie waren gut versteckt im Dickicht und so nahe wie möglich an die Wiese herangerückt. Und als die ersten Sonnenstrahlen Einzug hielten, ging das Tor zum Schloss auf und heraus kam der König Karl. Er hatte wie immer einen grossen Korb bei sich, in dem er immer die Äpfel deponierte, bevor er diesen im Schweinestall ausleerte. Der Apfel durfte auf keinen Fall dorthin gelangen, sonst war das Königreich für immer verloren. Der König Karl sah den goldenen Apfel sofort! Ganz verwundert hob er ihn auf und musterte ihn von allen Seiten. „Das ist ja ein komischer Apfel!" sagte er vor sich hin. „Ich zeige ihn mal meinem Magier, mal schauen, was er meint". Im selben Augenblick kam der Magier Max aus dem Schloss und als er den Apfel sah, konnte er sein Glück nicht fassen! „Ein goldiger Apfel in meinem Königreich! Wir müssen unbedingt schauen, ob es noch mehr von diesen hat." lachte er hämisch vor sich hin. Nun schien alles verloren zu sein! Wenn er nun auf den Baum stieg, würde er auch noch Benno und Wilma entdecken! Gabi überlegte, was sie tun könnte, als Zino der Zwerg auf einmal aus seinem Versteck heraus sprang und auf den Magier zukam. Er wollte ihn ablenken und ging darum pfeifend auf ihn zu und streckte ihm die Zunge raus. Mit dem hatte Gabi Glückskind nicht gerechnet und rannte ihm hinterher. „Was macht denn dieses Unglückskind hier auf meiner Kräuterwiese?" empörte sich Max. Doch ehe er sich versah, wurde er von einem Apfel getroffen, genau wie es dem König passiert war. Nur war der Apfel nicht zufälligerweise heruntergefallen. Benno und Wilma hatten alles mitgekriegt, zielten von oben und warfen ihn im richtigen Augenblick herunter. Und nun war es Max, der nicht mehr wusste, wer er war. Auch er hatte das Gedächtnis verloren. Sofort stiegen auch Benno und Wilma vom Baum und mit Hilfe von Gabi und Zino überredeten sie König Karl sofort vom goldenen Apfel zu beissen. Und als er herzhaft hereingebissen hatte, verwandelte sich die düstere Wiese wieder in ein Blumenmeer und der liebe König erinnerte sich wieder an alles. Alle Tiere konnten wieder in ihre Behausungen, Gabi kam zurück und Zino durfte fortan auch auf der Sommerwiese leben.

 

Und der Magier Max? Tja, dieser durfte auch im Schloss bleiben und erinnerte sich nie wieder, wie böse er einmal gewesen war. Er wurde sogar die rechte Hand von König Karl und Dank seines Wissens setzte er die Heilkräuter nur noch ein, um anderen zu helfen. 

 

ENDE