Illustration: Google-Ads-Begriffe erklärt.

Google-Ads-Begriffe, einfach erklärt

Dieses Glossar und den dazugehörigen Blogartikel: «Wie Sie Google Ads (früher: AdWords) Beine machen» hat unsere fabelhafte Lehrgangs-Absolventin Isabell Conzett geschrieben. Sie schreibt auch für Sie, wenn Sie sie nett fragen.

Das müssen Sie wissen: neue Rechtschreibregeln ab Juni 2017

Am 29.6.2017 hat der Rat für deutsche Rechtschreibung sein Regelwerk aktualisiert.

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Hier lernen Sie an einem einfachen Beispiel, wie modernes Online-Marketing funktioniert (10 Min.).

 

[Video] Was tun gegen Schreibblockaden?

Kariertes Schreiben mit Barbara Lukesch. (Barbara Lukesch ist Dozentin in unserem Texter-Lehrgang.)

Frau blickt auf Skyline einer Grosstadt

10 gute Gründe, warum ein Blog Ihr Geschäft beflügelt (auch wenn Sie nicht dran glauben).

Mein Freund Georg hat ein Schmuckgeschäft. Eigentlich sollte er die Treuhandfirma seines Vaters übernehmen. Aber das war nichts für ihn.

Anschaulich-schreiben

Anschaulich Schreiben – 8 Tipps für Kopfkino und fesselnde Geschichten

Kennen Sie das? Ihr Text ist handwerklich sauber, gut gegliedert, ohne Fehler – aber Sie merken selbst: Lesefreude klingt anders. Ihre Leser bleiben unbeteiligt, fiebern nicht mit. Keiner will wissen, wie es weitergeht ...  Schnallen Sie sich an. Hier kommt die Lösung.

Besser schreiben beginnt vor dem Schreiben

Besser schreiben:
Zwei unscheinbare Fragen, die Sie vorher klären müssen

Da ist diese Deadline. Morgen Nachmittag erwartet Ihr sehr komplizierter Kunde (Chef, Kollege, künftiger Arbeitgeber ...) das perfekte Schriftstück von Ihnen. Mit brillanten Ideen, bestechend klarer Sprache und makellosem Layout. 

bewerbungen schreiben die begeistern

Bewerbungen, die begeistern:
So kommen Sie ins Vorstellungsgespräch.

Wenn Ihr Lebenslauf Ecken und Kanten hat, sind Sie bestimmt ein interessanter Mensch. Aber wenn Sie einen neuen Job suchen, haben Sie ein Problem.

briefe fuer den muelleimer

Gestern kam Post.

Im Briefkasten lag ein Umschlag von einem bekannten Schweizer Unternehmen. Darin ein Anschreiben und ein hübsch gestaltetes Heftchen.

Der Brief wäre ungelesen im Mülleimer gelandet; aber weil er ein besonders gutes schlechtes Beispiel abgibt, macht er nun in unserem Blog Karriere.

Das lob der verben

Das Lob der Verben: 16 gute Gründe, die Verben zu lieben

Als ich ein Kind war, hatte ich eine Lieblingssendung: Die Lach- und Sachgeschichten mit der Maus. Dort konnte man in Fabriken für Kugelschreiber, Streichhölzer oder Taschenmesser schauen.

das neue normal

Das Neue Normal

30. März 2020. Ich bin guter Dinge. Trotz Corona.

Das hat etwas gedauert. Weil das Mediengetöse schwindlig macht, weil selbst Qualitätsmedien die Welle reiten, bis auch dem Letzten schlecht wird.

Jetzt ignoriere ich die Medien einfach. Kein Fernsehen, kein Radio, keine Zeitungen, kein Facebook und kein Twitter. Alle paar Tage schaue ich, was das BAG empfiehlt. Ausserdem bleibe ich zu Hause, esse frische Sachen und kümmere mich um meine Lieben und meine Arbeit. Kühlschrank und Vorratskammer sind nicht voller als sonst. Was bei mir im Quartier wichtig ist, erzählen mir die Nachbarn quer über die Strasse. 

Ich werde nichts Wichtiges verpassen. Irgendjemand wird mich anrufen, wenn die Welt untergeht. Dann lösche ich im Büro noch schnell das Licht.

Die Versuchung

Zukunftsprognosen haben wieder Hochsaison. Aus allen Ecken dringen sie zu mir. Sie unterscheiden sich kaum: Anscheinend erfindet sich die Welt gerade neu. Wir erleben einen «Paradigmenwechsel» oder eine «Bifurkation». Kein Stein bleibt auf dem anderen und wir alle müssen uns warm anziehen.

Das halte ich für kolossalen Unfug.

Ich lese solche Vorhersagen nur quer. Ich weiss also nicht, was drinsteht. Muss ich auch nicht. Es kann nur Unsinn sein.

Faszinierend ist, wie viele gescheite Leute der Versuchung erliegen, die Zukunft vorherzusagen. Leute, die nie zu einem Wahrsager gehen, an keinen Gott glauben und sich nie die Karten legen lassen (weil das alles Humbug ist), trauen sich plötzlich zu, die Zukunft zu kennen.

Das ist typisch für Krisen, dass Menschen, auch kluge, ihre Ängste und Hoffnungen mit der Zukunft verwechseln.

Zum Glück: Die Zukunft ist offen

Die Zukunft ist ungewiss. Immer und ausnahmslos. Ob es den Lieben Gott gibt oder nicht, ob Sie an etwas glauben oder nicht, ob wir gerade Krise haben oder nicht: Die Zukunft ist ungewiss. Will sagen: Man kann nicht wissen, wie sie sein wird.

Wer glaubt, die Zukunft sei vorhersehbar, verstrickt sich in heilloses Durcheinander – wie in dieser Geschichte von Anthony de Mello:

Der Tod wartet in Samarra

Ein Kaufmann in Bagdad schickte seinen Diener mit einem Auftrag zum Basar. Der Mann kam blass und zitternd vor Angst zurück.

«Herr», sagte er, «auf dem Markt traf ich einen Fremden. Als ich ihm ins Gesicht blickte, sah ich, dass es der Tod war. Er wies mit einer drohenden Gebärde auf mich und ging davon. Nun habe ich Angst. Bitte gebt mir ein Pferd, dass ich sofort nach Samarra reiten kann, um mich möglichst weit vom Tod zu entfernen.»

Der Kaufmann war besorgt um den Mann und gab ihm sein schnellstes Ross. Der Diener sass auf und war im Handumdrehen verschwunden.

Später ging der Kaufmann selbst auf den Basar und sah den Tod in der Menge herumlungern. Er ging zu ihm hin und sagte: «Du hast heute morgen vor meinem armen Diener eine drohende Gebärde gemacht. Was sollte das bedeuten?»

«Das war keine drohende Gebärde, Sir», sagte der Tod. «Es war nur ein erstauntes Zusammenfahren, weil ich ihn hier in Bagdad traf.»

«Warum sollte er nicht in Bagdad sein? Hier wohnt er doch.»

«Nun, mir hatte man zu verstehen gegeben, dass ich ihn heute Abend in Samarra treffen würde.»

Sie sehen: Von der Zukunft lassen wir besser die Finger. Vor allem, wenn sie Angst macht. Sonst schaffen wir uns das Problem, das wir so verzweifelt lösen wollen.

Wenn die Zukunft bekannt ist, wird alles bedeutungslos. Klimaschutz, Gleichberechtigung, Menschenrechte: Nichts ist mehr wichtig, weil nichts mehr einen Unterschied macht. Demokratie, Märkte, Medien: Alles verschwindet, weil eine fixe Zukunft dafür keinen Platz hat. 

Aber zum Glück ist die Zukunft ja offen. Lassen wir uns überraschen. In der Gegenwart gibts genug zu tun.

Wenn wir wachsam und mitfühlend in der Gegenwart leben, entfaltet sich die beste aller Welten. Die Vergangenheit ist schon vorbei und die Zukunft ist noch nicht da. Die beste Zukunft bauen wir mit Herz und Verstand im Hier und Jetzt.

Jetzt sagen Sie: Aber wir müssen uns doch etwas einfallen lassen. Irgendwie müssen wir uns auf die Zukunft einstellen. Wir können doch nicht einfach in den Tag hineinleben?

Gut, dass Sie das ansprechen. Dazu gehört die Geschichte vom Lindgrün.

Wird Lindgrün Mode?

Keiner kann wissen, ob Lindgrün im nächsten Winter Mode ist.

Aber Modelabel müssen trotzdem auf eine Farbe setzen. Daher finden endlose Besprechungen statt, werden Trends analysiert und Daten ausgewertet, bis man auf der Ungewissheit so lange herumgekaut hat, dass man sie kaum mehr spürt. Bis man zu wissen glaubt, dass Lindgrün kommt und sich traut, darauf zu wetten.

Aber diese Sicherheit ist nur der beherzte Griff nach einem Strohhalm. All die Meetings und Analysen ändern nichts daran, dass wir die Sache mit dem Lindgrün nicht wissen können.

Trotzdem: Wenn wir zusammenhocken, Ideen spinnen und uns gegenseitig Mut machen, wächst eine verbindende Perspektive. Die ist im Grunde nur eine Wette. Aber sie hilft trotzdem, weil wir jetzt wieder Handeln können, ohne uns lächerlich zu machen und ohne verurteilt zu werden, wenn lindgrün floppt.

So eine Perspektive hat noch etwas Gutes: Jetzt kann jeder etwas tun, das zur neuen Perspektive passt. Jedes Talent sucht sich einen Platz zum Wirken, tut, was es am besten kann und reicht den anderen die Hand. So steigen die Chancen, dass die Wette aufgeht. Denn wenn wir zusammen schwitzen, mit vollem Einsatz  bei der Sache sind und für unsere lindgrünen Shirts die Werbetrommel rühren – dann werden sie vielleicht sogar gekauft.

Nicht weil wir es vorher schon wussten, sondern weil wir für einen kleinen Schnipsel Zukunft einen roten Teppich ausgerollt haben und die Dame Zukunft sich verlocken liess, kurz draufzustehen.

So läuft das immer mit der Zukunft und dem Handelnmüssen. Wir tun uns mit anderen zusammen, die in der gleichen Klemme stecken und ringen uns gemeinsam zu etwas durch. Das kann dramatisch scheitern. Aber wir stehen nicht mehr allein da. Und weil wir zusammen nachgedacht haben, kommt mehr heraus als jeder im stillen Kämmerchen schafft.

Politiker, Manager und andere arme Teufel

Wenn Petra und ich jetzt über die Zukunft nachdenken, können wir uns ungeniert eingestehen, dass wir nicht wissen, was kommt.

Wir greifen nach den attraktivsten Strohhalmen und tasten uns Schritt für Schritt voran. Wir bilden Hypothesen, probieren etwas aus und schauen, was passiert. Vielleicht haben wir heute eine geniale Idee, die sich schon morgen als Irrtum erweist. Dann haben wir etwas dazugelernt und testen die nächste Idee. In allem kompetent geführt von Bauch und Nase, mit gelegentlichen Zwischenrufen der Vernunft.

Lachen Sie ruhig. In turbulenten Zeiten ist das die beste Strategie. Aber eine, die sich nur leisten kann, wer keinem Fremden Rechenschaft schuldet.

Deshalb können Politiker, Vorstände und Berater sie nicht benutzen. Sie müssen immer vernünftige Gründe parat haben. Am besten mit Studie und Statistik.

Man stelle sich eine Pressekonferenz vor, in der ein Bundesrat seinen Vorstoss wie folgt begründet: «Neulich beim Frühstück hat mich meine Frau auf die Idee gebracht, wir könnten bei der Einkommensteuer mal etwas Neues probieren. Sie kam drauf, als unsere Tochter im Sandkasten spielte. Und seither juckt es mich in den Fingern, das mal umzusetzen.»

Sowas dürfen Politiker nicht. Das dürfen nur Unternehmer, die ihr eigenes Geld verwetten. Politiker müssen sich absichern. Am besten mit harten Fakten, hinter denen renommierte Fachleute stehen.

Deshalb hören einflussreiche Leute gerne zu, wenn ein Professor die Zukunft voraussagt. Oder sie erfinden eigene Szenarien, die sie als Zukunft verwenden. Ist die Zukunft mal vorausgesagt, kann man alle Entscheidungen damit begründen. Vielleicht sogar einen Ritt nach Samarra.

Lesen Sie das bitte nicht als Politiker- oder Managerschelte. Es gehört bei diesen Berufen zum Job, Gewissheiten zu behaupten, wo keine sind. Denn Wähler und Shareholder sind Fluchttiere, die mit der Kutsche durchgehen, wenn es brenzlig wird. Ausserdem: Oft steckt hinter der schlichten Fassade viel aufmerksame Nachdenklichkeit, die unauffällig auf dem kleinen Dienstweg wirkt.

Warum wir Optimisten sind

Alle Achtung, wenn Sie jetzt noch hier sind. Sie haben sich das Happy-End verdient.

Wir sehen optimistisch in die Zukunft. Das kann ein Irrtum sein. Aber es spricht viel dafür.

Unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft sind lebendige Systeme, die sich dauernd verändern. Sie verändern sich, wie alles Lebendige, weder notwendig noch zufällig.

Weder notwendig noch zufällig – das braucht ein Beispiel:

Wenn zwei sich unterhalten, ist es immer etwas überraschend, was als Nächstes gesagt wird. Wäre es schon vorher klar, dann wäre es keine Unterhaltung, sondern ein militärisches Ritual oder eine Ehekrise.

Genauso wenig darf es blanker Zufall sein, was wir zueinander sagen. Wenn ich frage «Wie geht es Ihnen?» und Sie antworten «Das Pferd tanzt Samba.» und ich weitermache «Donnerstag gabs Nudeln.» wird es auch keine rechte Unterhaltung.

Das Beispiel zeigt: Lebendiges spielt sich zwischen Notwendigkeit und Zufall ab, mit einem Sicherheitsabstand zu beiden Seiten. Das ist auch gut so. Die Freiheitsgrade brauchen wir, um uns in turbulenten Zeiten freizuruckeln. Aber ganz beliebig können wir es auch nicht treiben, weil wir Körper ohne Flügel haben, Erinnerungen, Begabungen und Gewohnheiten, die begrenzen, was wir tun und denken können.

Hinzu kommt: Was lebendig ist, strebt nach Beständigkeit. Es gibt arme Schlucker, die im Lotto gewinnen, nur um ein paar Jahre später wieder arme Schlucker zu sein. Oder Unternehmen, die die neue Strategie nicht auf die Strasse bringen, weil keiner dran glaubt und Jogger, die bei jedem Wetter laufen gehen und Raser, die es auch bei Glatteis nicht lassen können und Köche, denen immer etwas Leckeres einfällt – egal was gerade noch im Kühlschrank ist.

Wegen dieser Sturheit fällt nicht alles auseinander, wenn in der Umwelt etwas Drastisches passiert. Sofort setzen schützende Reflexe ein. Ganz automatisch überlegen wir: «Wie kann ich möglichst viel von dem festhalten, was ich schon kenne?». Und erst wenn es gar nicht anders geht, machen wir etwas radikal Neues. Aber nur soweit und solange es unvermeidlich ist.

Solche Reflexe sind das sturmerprobte Fundament unserer Familien, unserer Institutionen und unserer Gesellschaft. Genau jetzt fragen sich Millionen Menschen: «Wie kann es weitergehen, ohne dass sich allzuviel ändern muss?». Nur eine Minderheit wird radikal neue Wege gehen und damit Kapitel aufschlagen, die wir uns nicht träumen lassen.

Ein kleines Bisschen werden wir alle uns verändern. Aber wir werden uns und unsere Welt leicht wiedererkennen, wenn das neue Normal da ist. (Das ist keine Voraussage, sondern eine begründete Hoffnung.)

Denn das ist der machtvolle Trick, den alles Lebendige drauf hat, der Trick, der es im Kern bestimmt, der Trick, wegen dessen es noch da ist:

Der Trick, sich ins Gleichgewicht zurückzuwursteln, wenn man gestrauchelt ist.

Das ist der Grund, warum Petra und ich glauben, dass das neue Normal vor allem eins ist: normal. Und mit normal, auch mit etwas anders normal, kommen wir klar.

Bis bald, auf der anderen Seite der Krise.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer

Illustration: Das Passiv

Das Passiv: unverstanden, misshandelt, verschrien

Das Passiv hat ein Imageproblem.

Verstehen kann mans. In Texten von Behörden, Soziologieprofessoren und Managementberatern wuchert das Passiv wie Brombeergestrüpp am Waldrand.

Gewichtheber zeigt seine Kraft

Das treffende Wort: Reparaturanleitung für lahme Texte

Ich mag Wörter. Auch die schrägen. Die mit Saft und Kraft, mit unrasierter Brust und Schweiss auf der Stirn. Ich mag es, wie sie randalieren, mit dem Po wackeln, in Fettnäpfe treten; wie sie lässig in der Sonne liegen, Harmonien bilden, ihr Bukett entfalten.

Das Weihnachtselend

Das Weihnachtselend – Backanleitung für lesenswerte Weihnachtskarten

Es ist schon fast zu spät. Sie müssen dringend die Sache mit den Weihnachtskarten in Angriff nehmen. Sonst klappt das nicht mehr rechtzeitig. Und schon sind Sie in Rückenlage. Mal eben schnell ’ne Karte schreiben – das endet meist im Floskel-Elend. Nehmen Sie sich 5 Minuten Zeit für diesen Tipp und schreiben Sie etwas, das sich zu lesen lohnt. 

Illustration: Diner-Schild mit Apostroph

Der Apostroph:

Wo er hingehört, wo er stört und wo er verboten ist

Ein falscher Apostroph kann teuer werden. So entging dem Hotel Holzschuh’s ein lukrativer Auftrag, weil der Gast keinem Wirt vertrauen wollte, der den Namen seines Hotels nicht schreiben konnte.

Der rote Faden: Rezepte

Viele Schreiber verirren sich in ihren eigenen Gedanken. Sie stehen vor einem Wühltisch vermischter Ideen und finden keinen Anfang. So entstehen konfuse Texte, die ihre Leser im Regen stehen lassen.

Die Wahrheit über Floskeln

Die halbe Wahrheit: Floskeln schaden Ihren Texten.

Menschen können schreiben, ohne nach­zu­denken – und tun es auch. Das Ergebnis sind floskelbeladene Allerweltstexte, die ungelesen weggeklickt werden. Daher warnen die meisten Sprachratgeber kategorisch vor Floskeln.

Ein Video entsteht

Durchstarten mit Video: 5 Gute Gründe

Sie haben es sicher auch schon gehört: Video boomt im Online-Marketing. Aber vielleicht ist Ihnen nicht ganz klar, ob Video auch für Ihre Ziele etwas zu bieten hat.

kommaregeln

Endlich Durchblick bei den Kommaregeln: Alle 13 Regeln an Beispielen erklärt.

Eigentlich sind die Regeln rund ums Komma schnell erklärt. Aber das Komma ist verschlagen. Oft versucht es, uns auszutricksen.

the power of now

Jetzt mache ich was Anderes.

Wie Sie Ihr Leben leben, als hätten Sie nur das eine.

«Ich möchte raus aus dem alten Trott. Was anderes machen; einen Job, an dem ich wieder Freude habe.»

konkret und anschaulich schreiben

Konkret und bildhaft schreiben – so gehts

Konkrete und bildhafte Sprache weckt Interesse. Vor allem dann, wenn die Bilder originell sind.

Frau liest Duden

Korrekturlesen: So finden Sie (fast) alle Fehler.

So prüfen Sie Ihren Text: Kopieren Sie die zu prüfenden Zeilen von Ihrer Textverarbeitung in das untenstehende Prüffeld (einfach den Mustertext überschreiben) und klicken Sie dann auf «Text prüfen».

Onlineseminar mit Zoom

Kurse mit Zoom – ganz einfach erklärt

Unsere Live-Webinare sind keine Konserven. Sie sind echter interaktiver Live-Unterricht mit engagierten Dozenten, kleinen Gruppen, Platz für eigene Fragen und anregende Gruppendiskussionen. Es wird auch genauso viel gelacht wie in den Kursen, die wir ganz oldschool im Seminarraum durchführen. Aber statt zusammen im Kursraum zu hocken, macht jeder von seinem Zuhause aus mit.

Wie unsere Kursteilnehmer/innen das Lernen auf Distanz empfinden

Wir haben inzwischen sehr viele Kurstage als Live-Webinare durchgeführt und pro Kurstag bis zu 12 Feedbacks von Teilnehmern ausgewertet. Wir hatten Angst, dass die neue Lernform nicht gefällt. Daher waren wir auf die Feedbackbögen besonders gespannt. Bald zeichnete sich breite Zustimmung ab (und unser Herzklopfen beruhigte sich):

  • So gut wie alle Teilnehmer/innen waren positiv überrascht.
  • Bereits nach kurzer Zeit «vergisst» man, dass man in einer virtuellen Lernumgebung ist und die Diskussionen werden ähnlich lebhaft wie im normalen Klassenzimmer.
  • Die Dozent/innen berichten, dass Sie mehr unternehmen müssen, damit in der virtuellen Runde eine rege Debatte entsteht. Vor dem Bildschirm sind wir oft etwas passiver als von Angesicht zu Angesicht. Aber das lernt sich auch.
  • Gut die Hälfte unserer Kursteilnehmer zog Klassenzimmer-Kurse grundsätzlich vor. Aber auch diese Leute waren so gut wie alle mit ihrem Webinar zufrieden.
  • Ein Minderheit (Leute, die eine längere Anreise hätten und ausserdem zu Hause ideale Bedingungen vorfanden) zog diese Lernform sogar vor.
  • Sehr selten kam es vor, dass das virtuelle Lernen nicht funktionierte. Das hatte nichts mit Alter und Technikerfahrung, sondern mit schlechten Rahmenbedingungen zu tun. Schwaches Internet, kein Platz zum konzentrierten Arbeiten, Kinderbetreuung nicht gelöst … – dann wird ein Webinar zum Höllentrip.
  • Die Plauderei in den Pausen wird von den meisten vermisst und auch das Networking klappt im Klassenzimmer leichter.
  • Die Bildqualität wird selten beanstandet. Gelegentlich wird von schwankender Tonqualität berichtet. Das liegt manchmal am überlasteten Internet und manchmal an schlechten Mikrofonen oder falsch justiertem Aufnahmepegel. Wer einen längeren Lehrgang besuchen will, sollte ein Headset mit Mikrofon benutzen und die Audioeinstellungen seines Geräts studieren.

Wer einen ruhigen Platz mit guter Internetbandbreite zur Verfügung hat, lernt in einem Live-Webinar genauso viel, wie in einem Präsenzkurs. Aber bitte: Sorgen Sie im Voraus für eine günstige Umgebung. Dann wird das was.

Wir haben auch Kooperationen mit Hotels, die günstige Tageszimmer für Leute anbieten, die zu Hause keinen ruhigen Lernort haben. Sprechen Sie mit uns, wenn Sie das brauchen.

So nehmen Sie teil

Wir verwenden als Dienstleister für Videokonferenzen «Zoom». Zoom ist der Kundenzufriedenheitskönig in dieser Branche und das aus gutem Grund: Zoom liefert Ton und Bild in guter Qualität und ist ganz leicht zu bedienen. Sie werden sich schnell zurechtfinden.  

Bei Kursen, die auf Videokonferenz umgestellt sind, finden Sie in unseren Einladungsmails dort, wo normalerweise der Kursort genannt ist, einen Zoom-Link. Der sieht ungefähr so aus:

https: // zoom.us / j / 0123456789
[Dieser Link funktioniert nicht, er dient nur als Beispiel. Der Link im Einladungsmail führt sie direkt in den Kurs]

Ein Zoom-Link besteht immer aus zwei Teilen. Er beginnt mit https: // zoom.us / j / gefolgt von einer 10-stelligen Zahlenreihe, z.B. 0123456789.

Die Zahlenreihe ist die Meeting-ID. Jede Zoom-Videokonferenz hat eine eigene Meeting-ID und jeder, der die Meeting-ID hat, kann teilnehmen, indem er https: // zoom.us / j /  gefolgt von der Meeting-ID im Browser eingibt (oder einfach auf den Link klickt, den wir mit der Kurseinladung versenden).

Wenn Sie zum ersten Mal an einem Zoom-Meeting teilnehmen, müssen Sie vielleicht eine Browser-Erweiterung auf Ihrem Computer oder Mobilgerät installieren. Folgen Sie einfach den Anweisungen auf dem Bildschirm. Wenn das erledigt ist, reicht ein Klick auf den Link und Sie sind «drin».

Zumindest mit Firefox und Google Chrome können Sie auch ganz ohne App-Download oder Registrierung teilnehmen (andere Browser haben wir nicht geprüft. Aber Sie können es mit Ihrem Browser einfach ausprobieren.) Suchen Sie auf der Seite, zu der der Zoom-Link führt, einfach den kleingedruckten Link «mit dem Browser teilnehmen». Klicken Sie drauf, geben Sie Kamera und Mikrofon für das Zoom-Meeting frei (im Browser werden kleine Popup-Fenster aufgehen, die fragen, ob Zoom Ihre Kamera und Ihr Mikrofon für das Meeting benutzen darf) und schon sind Sie «drin».

Zoom kennenlernen

Wer ein wenig Erfahrung mit Skype, Webinaren oder Whats-App Videotelefonaten hat (das sind bestimmt schon viele), der findet sich bei Zoom leicht zurecht. Wir werden aber auch noch eine Anleitung verfassen und hier veröffentlichen.

Bis dahin können Sie sich das Wichtigste schon einmal in diesem Youtube-Film anschauen.

So oder so empfehlen wir, dass Sie Zoom schon eine Weile vor dem Seminarbeginn ausprobieren. Dann können Sie dem Neuen entspannter entgegensehen.  

Legen Sie ein Gratiskonto bei Zoom unter diesem Link an: https://zoom.us/.

Die Gratis-Variante können Sie sofort und kostenlos für Besprechungen mit Kollegen oder Freunden verwenden.

Auch Videokonferenzen mit bis zu 100 Teilnehmern können Sie mit der Gratisversion durchführen. Aber diese Meetings sind dann auf 40 Minuten begrenzt. Probieren Sie es doch einfach mal aus. Laden Sie einen Kollegen oder Ihre Jass-Freunde zu einer Zoom-Videokonferenz ein. Dabei lernen Sie, wie es funktioniert und pflegen ein paar Kontakte, die durch die Corona-Isolation zu kurz kommen. Und wenn Ihr Meeting länger als 40 Minuten dauert, machen Sie eine kleine Bio-Pause und starten es gleich noch einmal. Das ist erlaubt.

Lesefreundlichkeit hat 3 Ebenen

Leserfreundlichkeit: Überzeugend schreiben hat 3 Ebenen

Das hatten wir schon mal (Link zum Artikel): Gute Texte sind gut, weil sie ihren Lesern Freude machen. Aber wie genau erreichen Sie das? Darum gehts in diesem Artikel.

Mythos SEO

Mythos SEO: Für Sie erklärt

Wer etwas schreibt, das im Internet gefunden werden soll, muss sich mit SEO (Search Engine Optimization, Suchmaschinenoptimierung) auseinandersetzen.

Illustration: Neinsagen für Anfänger

Neinsagen für Anfänger: Holen Sie sich Ihr Leben zurück

Ich freue mich, wenn es harmonisch zugeht. Streitigkeiten, Kritik, enttäuschte Gesichter: das geht mir nahe. Echt wahr: Ich sehne mich nach Friede, Freude, Eierkuchen.

Kennen Sie das? Sie leben ihr Leben, die Welt ist in Ordnung und plötzlich ruft Sie jemand an.

«Wir ziehen um. Kommst du helfen? Wir sind um jedes paar Hände froh.»

Der Anrufer ist ein netter Kerl, mit dem Sie es schon manchmal lustig hatten. Aber Sie wissen genau: Wenn Sie mal seine Hilfe brauchen, hat er keine Zeit.

Das Dumme ist nur, Sie haben Zeit.

Sie wollten am Wochenende so richtig dekadent ausschlafen, Kuchen essen, Bücher lesen und faulenzen. Dürfen Sie das? Obwohl da draussen ein Mensch um Ihre Hilfe bittet? Das wäre doch herzlos …

Und bevor der Gedanke noch zuende gedacht ist, hören Sie sich schon

«O.K., ich komme.» sagen.

Aber in diesem Moment haben Sie den Menschen hängen lassen, der auf Ihre Fürsorge am meisten angewiesen ist: sich selbst.

Darf man überhaupt «Nein» sagen?

Sie haben das gute Recht, Ihren eigenen Bedürfnissen Vorrang zu geben. Wenn Sie nicht auf sich aufpassen, wer soll es dann tun?

Natürlich müssen Sie helfen, wenn andere in akuter Not sind und Sie eine Katastrophe verhindern können. Sie müssen das Kind aus dem Teich ziehen, auch wenn Sie schon einen Schnupfen haben, Ihre besten Kleider tragen und ein Brautpaar auf Sie als Trauzeugen wartet.

Aber sonst? Sagen Sie nicht «Ja», weil Sie ein schlechtes Gewissen plagt oder weil Sie die Bestätigung suchen, von anderen gebraucht zu werden. Sie können «Nein» sagen, ohne Freundschaften zu zerstören, Karrieren zu beenden oder Schuldgefühle auf sich zu laden. Sie müssen nur wissen, wie das geht und Ihren inneren Schweinehund überwinden.

Sie haben die Wahl

Wer gern hilft, sagt oft schon «Ja», bevor das Hirn Zeit hatte, «Moment mal» zu rufen. Das «Ja» ist ein eingespielter Reflex (wie der Blick in den Rückspiegel bevor Sie die Spur wechseln).

Daher steht eine Bewusstseinsübung an erster Stelle.

Denken Sie an drei Situationen, in denen Sie «Ja» gesagt haben, obwohl Sie lieber «Nein» gesagt hätten. Jetzt machen Sie sich klar, dass Ihr Mund auch «Nein» hätte sagen können und dass manch anderer das mühelos über die Lippen gebracht hätte.

Dann stellen Sie sich vor, dass Sie «Nein» sagen und dass ein Freund Ihnen auf die Schulter klopft und anerkennend sagt: 

«Das hast du gut gemacht. Endlich hast du auf deine innere Stimme gehört und bist für deine Bedürfnisse eingetreten.»

Mit etwas Glück haben Sie beim nächsten Mal einen lichten Moment, bevor Sie ungewollt «Ja» sagen. Diese Sekunde ist Ihr Schlüssel zur Freiheit.

Wenn Sie möchten, schicke ich Ihnen diesen Artikel als formatiertes PDF «Neinsagen für Anfänger» Einfach hier klicken.

Klein anfangen

Sie müssen nicht mit einem «Nein» beginnen, das Sie den Job kosten oder eine Freundschaft ruinieren könnte. Springen Sie ein paar Mal vom Beckenrand ins Wasser, bevor Sie sich auf den Sprungturm wagen:

  • Sagen Sie «Nein» zu dem Verkäufer, der sie verführen will, die neuen Schokokekse zu probieren.
  • Sagen Sie «Nein» zu dem Call-Center-Agenten, der Sie ungebeten anruft.
  • Wimmeln Sie den Nachbarn ab, der Langeweile hat und Sie von der Arbeit abhält.

Neinsagen braucht Übung. Wenn Sie dieser Text interessiert, haben Sie im Jasagen wahrscheinlich viel mehr Übung als im Neinsagen. Aber Sie können aufholen.

Kosten vergleichen

Wer eine Wahl hat, muss Kosten vergleichen. Das kennen Sie vom Einkaufen.

Sie können wählen: Sie helfen beim Umzug (das kostet Sie die Entspannung, die Erholung und die innere Freude, sich das Faulenzer-Wochenende zu gönnen) oder Sie sagen «Nein» (das kostet Sie das gute Gefühl, gebraucht zu werden und drückt auf Ihr Gewissen).

Viele Jasager kennen nur die Kosten des Neinsagens. Dass auch das Jasagen etwas kostet, vergessen sie.

Überlegen Sie sich genau, wofür Sie Zeit, Energie oder Geld brauchen, damit Ihr Leben im Lot ist. Wer zu oft «Ja» sagt, überzieht dauernd sein Zeitkonto. Dann entsteht statt dem guten Gefühl «Hier konnte ich helfen» die Sorge «Wie soll ich denn jetzt noch alles schaffen?».

Die Sorge bringt Sie um den Schlaf, Müdigkeit und Hektik erzeugen Fehler, Fehler Ausbügeln kostet noch mehr Zeit, Sie werden noch erschöpfter … und es ist kein Ende in Sicht.

Blick zurück im Zorn

Jasagen ist nur in dem kurzen Moment leichter, in dem Sie dem Bittsteller eine Freude machen. Aber wenn Sie in zwei Wochen antreten müssen, wird der Ärger über Ihre eigene Dummheit sie 14 Tage lang in den Hintern beissen.

Und wenn dann endlich das letzte Sofa im dritten Stock steht (Altbau, 4,30 m Geschosshöhe, kein Lift), fragt der flotte Horst (dem Sie noch nie etwas abschlagen konnten) ob Sie Ende August auch ihm beim Umzug helfen können. Er zieht, das vergass er zu erwähnen, mit seiner neuen Freundin zusammen, die beim Arbeiten die Hände immer in den Hosentaschen behält.

Machen Sie einen Kassensturz und schwören Sie sich, Ihr Zeitbudget in Ordnung zu bringen, bevor ihr Jasagen Sie um den Verstand bringt.

Grenzen im Kalender

Wer Job, Familie und Hobbies unter einen Hut bringen muss, muss seine Zeit einteilen. Die meisten Menschen schreiben nur fixe Termine in ihren Kalender: Teambesprechung, Zahnarzt, Lauftreff.

Aber viele alltägliche Pflichten haben keine fest gebuchte Zeit:

  • E-Mails lesen und beantworten
  • Spesen abrechnen
  • Buchhaltung
  • Daten analysieren
  • Probleme lösen
  • Netzwerke pflegen
  • Ablage, Ordnung schaffen
  • Wichtiges von Unwichtigem trennen …

Das alles steht nicht im Kalender. Aber wenn Sie sich dafür keine Zeit nehmen, kommen Sie in Teufels Küche.

Definieren Sie die wichtigen Routinen, für die Sie regelmässig Zeit brauchen und reservieren Sie dafür Zeit in Ihrem Kalender. Wenn jetzt jemand eine Bitte an Sie richtet, zeigt Ihr Kalender unerbittlich, wie wenig Zeit Sie für solche Extratouren übrig haben. So werden Sie sich eher erlauben, auch mal «Nein» zu sagen.

Viele Unternehmen verwenden Groupware-Tools, in denen die Kalender der Mitarbeiter sichtbar sind. Wenn Sie für die alltäglichen Zeitfresser nichts einplanen, werden Ihre Kollegen Ihre freien Blöcke mit Pflichten füllen, die die Zeit fressen, die Sie für Ihre Zeitfresser brauchen.

Vorausdenken statt bereuen

Gut möglich, dass Sie häufig von den gleichen Leuten oder in ähnlichen Situationen um Gefälligkeiten gebeten werden. Dann lohnt es sich, dafür eine Strategie zu entwickeln.

Machen Sie eine Liste Ihrer Jasagen-Klassiker und überlegen Sie sich genau:

  • Welche Argumente sprechen dafür?
  • Welche Argumente sprechen dagegen?
  • Wie wichtig ist der Bittsteller für Sie?
  • Welche (zeitlichen, finanziellen, räumlichen …) Grenzen wollen Sie setzen?
  • Wie können Sie vermeiden, überhaupt gefragt zu werden?
  • Wie können Sie Ihr «Nein» verpacken, ohne zu verletzen?

Es mag Menschen geben, für die Sie alles tun möchten und andere, die Sie lieber auf Abstand halten. Machen Sie sich klar, für wen oder was Sie wie viel tun möchten. Dann sind Sie vorbereitet und das «Nein» oder das «nur so viel und nicht mehr» wird Ihnen leichter fallen.

Erst nachdenken, dann antworten

Wenn Sie sich selbst als gewohnheitsmässigen Jasager kennen, sollten Sie den «Ja-Reflex» zu einem «Darüber-muss-ich-nachdenken-Reflex» umbauen.

Bitten Sie um Bedenkzeit, fragenSie sich:

  • Müssen Sie eigene Wünsche zurückstellen?
  • Wie sehr wird Sie das belasten? 
  • Werden Sie sich über den Bittsteller ärgern, wenn Sie zusagen?
  • Droht eine ernste Gefahr, wenn Sie ablehnen?

Wahrscheinlich brauchen Sie zusätzliche Informationen:

  • Wann genau? 
  • Wo?
  • Wie lange? 
  • Wie viel?
  • Wer macht sonst noch mit?
  • Wer trägt was bei?

Wenn Sie um Bedenkzeit gebeten haben, können Sie Ihr «Nein» nachvollziehbar begründen, ohne den anderen zu verletzen. Und wenn Sie «Ja» gesagt haben, wird Ihre Hilfe mehr geschätzt, weil Sie andere Pflichten zur Seite geschoben haben, um die Bitte zu erfüllen.

Den Rahmen bestimmen

Wer Bedenkzeit hat, kann neue Einsichten gewinnen und den Rahmen für die Antwort setzen.

Vielleicht sind Sie gar nicht zuständig oder jemand anderes ist besser geeignet. Dann verweisen Sie den Bittsteller an die richtigen Leute (die Sie vielleicht vorwarnen).

Wenn Sie zuständig und geeignet sind, aber ablehnen wollen, müssen Sie Farbe bekennen. Aber Sie können sich Ihre Argumente zurechtlegen, für und wider abwägen und sich Ort, Zeit und Medium der Antwort aussuchen.

Vielleicht werden Sie spätnachmittags anrufen, kurz bevor Ihr Chef ein wichtiges Meeting hat, damit er Sie nicht stundelang zutexten kann.

Oder Sie schreiben ein E-Mail. Das können Sie in Ruhe ausformulieren und erst dann versenden, wenn der Zeitpunkt optimal ist. Auf ein E-Mail folgt oft ein E-Mail als Antwort. Das ist ein Vorteil, weil man per E-Mail nicht so leicht überrumpelt wird.

Ein bisschen feige ist das natürlich. Aber wenn Mut Ihre stärkste Tugend wäre, würden Sie diesen Text nicht lesen. 

Im Zweifel «Nein»

Wenn Ihr Gesprächspartner eine sofortige Antwort verlangt und Ihnen keine Bedenkzeit geben will, muss Ihre Standardantwort «Nein» sein.

Sie können sagen: 

«Wenn du jetzt sofort eine Antwort brauchst, muss ich absagen.»

Das ist viel besser, als unter Zeitdruck «Ja» zu sagen. Wenn der Bittsteller wirklich verzweifelt ist, wird er nachhaken und dann können Sie Ihre Antwort immer noch ändern. Aber sobald Sie «Ja» gesagt haben, sind Sie geliefert.

Ja, aber nur so viel

Wann immer Sie jemandem helfen, sollten Sie der Hilfe Grenzen setzen. Sagen Sie: Ich helfe dir am Samstag von 10:00 bis 14:00, wenn du mich anschliessend zum Zug bringst.

So können beide Seiten planen. Der Bittsteller wird Sie so einsetzen, wie es ihm am meisten hilft und Sie können planen, wie Sie alles andere an diesem Wochenende auch noch schaffen.

Wenn Sie möchten, schicke ich Ihnen diesen Artikel als formatiertes PDF «Neinsagen für Anfänger» Einfach hier klicken.

Vorsicht Falle

Wo es Jasager gibt, sind auch Manipulatoren. Die schmieren Ihnen Honig um den Bart und kleben dann ihre Bitte daran fest: 

«Du kannst doch so gut Englisch. Würdest du wohl den Brief für mich schreiben?».

Oder sie machen auf hilflos:

«Ich habe einfach keinen grünen Daumen. Kannnst du nicht meine Hecke für mich schneiden?»

Die ganz gerissenen schneiden Ihnen den Rückweg schon ab, bevor sie ihre Bitte überhaupt aussprechen:

«Hast du am Wochenende schon etwas vor?»

Oder sie legen erst eine ganz weite Schlinge aus, die sie später zuziehen: 

«Hättest du irgendwann mal einen Moment, um mir mit dem Computer zu helfen?»

Lassen Sie sich nicht einwickeln. Wer Sie manipulieren will, verdient ein «Nein», zumindest aber, dass Sie vorher nach Details fragen, auf Zeit spielen oder klare Grenzen setzen.

Sie sind im Recht

Es ist kein netter Zug, wenn Sie jemandem eine Bitte abschlagen, der mit Ihrer Hilfe rechnen durfte, in grosser Not ist oder für Sie schon viel getan hat.

Solchen Menschen müssen Sie helfen. Hilfsbereitschaft ist ein Eckpfeiler zivilisierten Miteinanders. Wer seinen fairen Anteil an gegenseitiger Hilfeleistung verweigert, ist ein Schmarotzer. Aber wenn Ihre Kräfte nicht reichen, jemand Ihre Gutmütigkeit ausnutzt oder einfach zu bequem ist, eine andere Lösung zu suchen – dann haben Sie alles Recht der Welt, sich gerade zu machen und «Nein» zu sagen.

Das geht umso leicher, wenn Sie vor dem «Nein» Bedenkzeit hatten.

Dann sind Ihnen die guten Gründe klar, die für Ihre Entscheidung sprechen. Wenn danach das schlechte Gewissen um die Häuser schleicht, stellen Sie es zur Rede und halten Sie ihm die Argumente entgegen, die Sie zu Ihrer Antwort bewogen haben. Das müssen Sie sowieso irgendwann lernen, sonst kommen Sie unter die Räder.

Ein «Nein» verbindet

Nicht jeder der «Nein» sagt, ist ein rücksichtloser Egomane und nicht jedes «Nein» ist ein Beziehungskiller.

Sie können beides tun: Sich in den Bittsteller einfühlen und gleichzeitig für Ihr eigenes Wohlergehen sorgen. Zum Beispiel so:

«Ich verstehe gut, dass du bei deinem Umzug Hilfe brauchst. Vor der Freude am neuen Heim kommt viel Arbeit. Aber ich kann dir dieses Mal nicht helfen.»

Sorgen Sie dafür, dass der Bittsteller sich gehört und verstanden fühlt, aber tun Sie für sich, was für Sie wichtig ist. Es ist nicht klug, auf fremde Leute mehr Rücksicht zu nehmen als auf das eigene Wohlergehen.

Müssen Sie Ihr «Nein» begründen?

Wer oft «Ja» sagt, will in den Augen anderer gut dastehen und Misstöne vermeiden.

Wenn ein harmoniebedürftiger Mensch sich doch einmal zu einem «Nein» durchringt (weil es schlichtweg unmöglich ist), hat er gleich Angst um die Beziehung. Er wünscht sich, dass der andere seine Beweggründe versteht und ihm das «Nein» verzeiht. Das kann funktionieren.

Aber nur, wenn die Gründe auch wirklich stimmen und nur, wenn Ihr Gegenüber Ihre Bedürfnisse achtet. Ausreden als Begründung für Ihr «Nein» sind gefährlich. Wenn Ihr Gegenüber ein Gegenmittel findet, sind Sie moralisch verpflichet, «Ja» zu sagen.

Ihr nerviger Kollege will sich morgen mit Ihnen zum Kaffee verabreden. Sie hätten wohl Zeit, aber nicht für ihn. Um ihn loszuwerden sagen Sie:

«Morgen Nachmittag kann ich leider nicht. Da habe ich schon einen Termin.»

worauf er sicher fragen wird: 

«Welcher Tag würde dir denn besser passen?»

Oder Sie sind zu einer Party eingeladen, an der Ihnen überhaupt nichts liegt. Sie sagen:

«Ich würde ja gerne kommen, aber ich habe keine Kinderbetreuung.»

«Bring die Kinder doch einfach mit. Monika bringt ihre Kinder auch mit.»

Menschen, die mir nahe stehen, sage ich meistens die wahren Gründe für meine Entscheidung. Weil ich auch ihnen wichtig bin, verstehen sie meine Beweggründe und tragen mir die Entscheidung nicht nach. Aber manchmal ist die Wahrheit schwer zu verkraften («Petra ist mir wichtiger als du.»), dann behalte ich sie für mich.

Wenn ich einem Manipulator gegenüberstehe, gebe ich überhaupt keine Gründe an. Der wird meine Entscheidung ohnehin nicht akzeptieren und alle Begründungen gegen mich verwenden.

Was ist der Preis für das nein?

Es klang schon ganz am Anfang an: Weder «Ja» noch «Nein» sind gratis.

Bevor Sie jetzt zu allem «Nein» sagen und sich mehr Schwierigkeiten als nötig einhandeln, prüfen Sie lieber kurz nach, ob das «Nein» den Ärger wert ist. Ihr Chef sitzt am längeren Hebel. Er kann Ihnen schaden, wenn Sie ihm eine Bitte abschlagen. Das macht das «Nein» teurer, vielleicht zu teuer. Dann fahren Sie mit einem «Ja» besser.

Aber fragen Sie voher nach den Details.

«Erwarten Sie, dass ich das Wochenende durcharbeite?».

Ihr Chef muss wissen, was er Ihnen abverlangt, sonst haben Ihre Zugeständnisse keinen Wert.

Nicht zurückschauen

Soabld Sie «Nein» gesagt haben, dürfen Sie nicht mehr zurückschauen.

Die Zeit zum Zweifeln und Abwägen ist vor der Entscheidung. Danach schauen Sie nach vorne. Denken Sie sich auf die Sonnenseite der Entscheidung. Denken Sie daran, wie gut es Ihnen tut, am Wochenende auszuschlafen, keine Pflichten im Rücken zu spüren und sich für genau die Dinge Zeit zu nehmen, die Ihnen am meisten gut tun.

Lassen Sie sich nicht auf Zweifel und Schuldgefühle ein, sonst wird Ihnen das nächste «Nein» noch schwerer fallen.

Was denken Sie, denkt er?

Jasager machen sich meist zu viele Sorgen darüber, was andere denken oder sagen könnten. Sie sagen lieber «Ja», dann sind auf der sicheren Seite.

Das ist eine Wahrnehmungsstörung, die Sie überwinden können.

Denken Sie über Ihre eigene Reaktion nach, wenn Sie jemanden um etwas gebeten haben und ein «Nein» die Antwort war. Sie waren vielleicht enttäuscht, hatten sich mehr erwartet und mussten eine andere Lösung finden. Aber es ist nicht das Ende der Welt und früher oder später löst sich das Problem auch anders. Dann ist das «Nein» vergessen und die Enttäuschung überwunden.

Aber wenn Sie selbst jemandem eine Bitte abschlagen, haben Sie das Gefühl, das schlechte Karma kröche Ihnen bis in alle Ewigkeit hinterher. Unsinn.

Das Wichtigste im Schnelldurchlauf

  • Jasager haben ein Problem: Ihre Hilfsbereitschaft übersteigt ihre Kräfte.
  • Es ist O.K., «Nein» zu sagen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
  • Jasagen ist oft ein Reflex, keine bewusste Entscheidung.
  • Neinsagen kann man üben.
  • Egal ob Sie «Ja» oder «Nein sagen: Jede Entscheidung hat ihren Preis.
  • Bitten Sie um Bedenkzeit, statt spontan «Ja» zu sagen.
  • Unter Zeitdruck sagen Sie besser «Nein» als «Ja».
  • Fragen Sie nach Details.
  • Setzen Sie Ihrer Hilfsbereitschaft Grenzen.
  • Sie können, müssen Ihre Entscheidung aber nicht begründen.
  • Wer Sie manipuliert, verdient ein «Nein».
  • Auch ein «Nein» kann verständnisvoll klingen.
  • Wählen Sie Zeit, Ort und Medium für Ihre Antwort taktisch klug.
  • Ein «Nein» ist kein Drama. Das meinen Sie nur.

Das wars für heute.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer

Und hier ist die Liste aller Artikel über guten Schreibstil

Storytelling und Reden halten: Rezepte, die Sie noch nicht kannten [Storytelling ist die magische Zutat für gute Texte. Und beim Reden halten ist das Erzählen passender Geschichten die Geheimwaffe der Profis.]

 

Wie Sie spannende Wissenschaftstexte schreiben und Ihr Publikum begeistern [Wissenschaftstexte müssen nicht langweilig sein. Wenn sie uns zum Staunen bringen, sind sie so spannend, dass wir sie nicht mehr zur Seite legen können.]

 

Wie Sie unwiderstehliche (Produkt-)Texte schreiben [Wer Produkttexte schreibt, setzt gern die rosa Brille auf und schwelgt in Positivem. Aber: Solche Texte verkaufen schlecht. Gute Produkttexte brauchen einen Schuss Tabasco.]

 

Das Passiv: unverstanden, misshandelt, verschrien [Das passiv hat ein Imageproblem. Aber es ist unschuldig in Verruf geraten. Warum es besser ist als sein ruf, lesen Sie hier.]

 

 

Raymond Chandlers Katze: Der Text lebt vom Detail [3 kluge Tipps für bessere Texte aus den Briefen von Raymond Chandler – unter Mitwirkung seiner Katze «Tiki».]

 

Schulterblick: Text überarbeiten (Das Passiv ...) [Hier können Sie mir über die Schulter sehen und meine Gedanken lesen, während ich einem Text für die Veröffentlichung auf unserer Website letzten Schliff gebe.]

 

«The hill we climb» auf Deutsch – übersetzt von DeepL, Google und Microsoft [Können Online-Übersetzungsdienste auch Gedichte übersetzen? Ja, sie können es. Nicht perfekt, aber brauchbar. Vor allem DeepL.]

 

Verständliche Fachtexte schreiben: So liebts Ihr Leser  [Speziell für Ingenieure, Mikrobiologen, Ärzte, Softwareentwickler, Finanzplaner, Steuerberater und Soziologen: So bringen Sie Ihr Wissen verständlich aufs Papier.]

 

Das Lob der Verben: 16 gute Gründe, die Verben zu lieben[Das Lebendige an Ihren Texten wohnt im Land der Verben, weil sie beschreiben, wie das Hackebeil auf die Holzscheite kracht, ein Kätzchen sich die Pfoten leckt oder das Herz für eine Idee entflammt.]

 

Was Sie von Mark Twain über Adjektive lernen können [Das wissen nur wenige: Adjektive sind Textverschlimmerer. Die meisten sollte man ersatzlos streichen; dann sind die restlichen ein Gewinn.]

 

Konkret und bildhaft schreiben – so gehts [So wird aus Buchstabensuppe grosses Kopfkino: Wenn Sie die Leser auf Ihre Reise mitnehmen, statt nur darüber zu berichten.]

 

Bewerbungen, die begeistern: So kommen Sie ins Vorstellungsgespräch  [Die jungen Überflieger sind überall begehrt. Aber Charakterköpfe mit Lebenserfahrung werden oft frühzeitig aussortiert. Das lassen wir nicht zu.]

 

Der rote Faden: Rezepte [Wo der rote Faden fehlt, ist das Lesen eine Plackerei. Wer viel weiss, hat oft die grösste Mühe. Wir lotsen Sie durch schwieriges Gelände.]

 

Das treffende Wort: Reparaturanleitung für lahme Texte [Gute Texte brauchen rassige Wörter mit Strahlkraft und Aroma. Wie Sie die finden (und von den laschen Verliererwörtern unterscheiden) erklärt dieser Artikel.]

 

Texte, die zünden: Wie das Unmögliche möglich wird [Klug, gut gemeint, hilfreich: Das reicht nicht. Damit ein Text zündet, muss jedes Detail stimmen. Hier wirds erklärt.]

 

So geht spannend: 8 Tipps von Autor Peter Höner [Krimiautor Peter Höner erklärt Ihnen die 8 Methoden, um Spannung zu erzeugen und bis zum Höhepunkt am Lodern zu halten.]

 

Briefe für den Mülleimer: Machen Sies besser [Was unterscheidet einen gelungenen Werbebrief von hilfloser Reklame? Wir erklären es an einem echten Beispiel.]

 

So schreibt man heute: die wichtigen Kleinigkeiten für Ihre Korrespondenz [Zeitgemässer Briefstil läuft anders als vor 20 Jahren. Wir erklären den modernen Standard.]

Anschaulich Schreiben – 8 Tipps für Kopfkino und fesselnde Geschichten [Asta Nielsen war die berühmteste Diva des Stummfilms. Sie hatte keine Worte. Die Kraft der Bilder musste genügen. Von ihr können Sie überraschend viel für spannende Texte lernen.]

 

Das Weihnachtselend – Backanleitung für lesenswerte Weihnachtskarten [Wenn sie mal eine Weihnachtskarte (oder Geburtstags- oder Glückwunschkarte) schreiben möchten, die so richtig zu Herzen geht, lesen Sie diese Tipps.]

 

Was tun gegen Schreibblockaden? [Wenns mit dem Schreiben stockt, muss man vor allem mit dem Trübsalblasen aufhören. Dann gehts irgendwann schon wieder. Und in der Zwischenzeit (zur Belebung ihrer kreativen Quellen) machen Sie Barbara Lukeschs Übung zum karierten Schreiben.]

Ausserdem: Wenn Sie Fehler in Rechtschreibung und Grammatik suchen, haben wir hier die gleiche Übersicht zum Thema «Korrekte Texte». Und hier ist unsere Übersicht mit allen Artikeln über Online-Marketing.

Tennisspieler

Nicht schwierig und Schritt für Schritt erklärt: Suchmaschinenoptimierung durch Linkaufbau

Suchmaschinenoptimierung und Linkaufbau gehören zusammen. Soviel wissen Sie. Oder Sie haben es mal gehört. Und wenn Sie es noch nicht gehört haben: Ich erkläre es mal kurz. Etwas vereinfacht, aber so, dass das Prinzip deutlich wird.

Illustration: Von Raymond Chandler lernen

Raymond Chandlers Katze: Der Text lebt vom Detail

Raymond Chandler, der literarische Vater von Privatdetektiv Philipp Marlowe, hat nicht für die grosse Kunst geschrieben. Er wollte vor allem unterhalten. Trotzdem (oder gerade deshalb) nahm er sein Handwerk verdammt ernst. Er verstand es, mit schlichten Worten grossen Eindruck zu machen, und wie alle Meister setzte er sich zuweilen über die Spielregeln hinweg, die (für weniger geübte Schreiber) den Bereich umfrieden, in dem sie vor peinlichen Fehlern sicher sind.

Das Vorbild der Meister

Zum Schreibenlernen gehört das obsessives Lesen (inklusive Eselsohrenknicken und Randnotizenkritzeln) dazu wie zum Kochenlernen das gepflegte Essen.

Nur wenige Autoren haben Ratgeber für junge Talente verfasst. Bei allen anderen müssen wir selbst auf Spurensuche gehen. Dafür sind Briefwechsel besonders ergiebig, die von den Schwierigkeiten und Erfolgsrezepten des Schreibens handeln.

Heute lernen wir drei Lektionen aus den Briefen von Raymond Chandler.*)

Wer bestimmt die Spielregeln?

Ein Meister zu sein, ist ein einsames Geschäft. Wer auf einem Gebiet erstklassig ist, findet kaum mehr adäquate Gesprächspartner. Schlimmer noch: Er ist gezwungen, seinen Standpunkt gegenüber Leuten zu verteidigen, die ihm nicht das Wasser reichen können.

So musste auch Raymond Chandlers erleben, dass seine Erzählkunst den Horizont seiner Lektoren überstieg – wie dieser (zerknirschte) Brief an den Herausgeber des «Atlantic Monthly» vom 18. Januar 1947 zeigt:

Würden Sie dem Puristen, der das Korrektorat meiner Texte macht, meine Empfehlung übermitteln und ihm oder ihr sagen, dass ich einen etwas hemdsärmeligen Einfache-Leute-Stil pflege, der in etwa so klingt, wie ein Schweizer Kellner spricht, und dass ich, wenn ich einen Infinitiv trenne, verdammt noch mal, ihn trenne, damit er getrennt bleibt.

Und wenn ich den geschmeidigen Fluss meiner mehr oder weniger gebildeten Syntax mit ein paar überraschenden Worten im Kneipenjargon durchbreche, geschieht das sehenden Auges und mit entspanntem, aber aufmerksamem Geist. Das Verfahren ist vielleicht nicht perfekt, aber ich habe nur dieses eine. Gerne möchte ich glauben, dass Ihr Korrektor in bester Absicht versucht, mich vor dem Stolpern zu bewahren. Aber so sehr ich seine Fürsorge zu schätzen weiss: Ich bin ich wirklich in der Lage, trittsicher meinen Weg zu finden, wenn man mir beide Bürgersteige und die Strasse zur Verfügung stellt.

[Raymond Chandler, Brief an den Herausgeber des «Atlantic Monthly»,18. Januar 1947, frei übersetzt von Matthias Wiemeyer] *)

Die Stilempfehlungen aller wichtigen Sprachlehrer (viele Verben, keine Floskeln, viel Aktiv, klarer Satzbau, konkrete Sprache …) sind keine Checklisten, deren Abhaken spannende Texte erzeugt. Spannende Texte entstehen durch das kreative Spiel mit Gedanken und Formen und dazu gehört auch der kalkulierte Bruch mit dem, was üblich ist oder gerade erwartet wird.

Das wichtige Stichwort hier ist «kalkuliert». Die Regeln brechen darf nur, wer sie vorwärts und rückwärts kennt und kühl berechnend genau die Wirkung sucht, die der Bruch erzeugt. Wer die handwerklichen Standards aus Versehen verletzt, ist wie ein Koch, der wahllos Gewürze in den Eintopf kippt und betet.

Wenn Sie möchten, schicke ich Ihnen diesen Artikel als formatiertes PDF «Raymond Chandlers Katze» Einfach hier klicken.

Wer interessiert sich schon für Details?

Es gibt viele verschiedene Arten einen Text zu verhunzen. Man kann den Erzählfluss durch sinnlos angehäufte Details aus dem Rhythmus bringen, die nur die Geduld strapazieren, für Plot und Figuren aber wenig tun. Kein Deut besser sind sterile Texte, die nur Fakten aneinanderreihen, aber nie die Zeit für raffinierte Details finden, die dem Text Emotion und Tiefe geben.

Bei den Details geht es (wie überall) ums rechte Mass. Das rechte Mass ist das Mittlere, wie die alten Griechen sagten, das, was zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig liegt. Dieses Mass war zuweilen ein Streitpunkt zwischen Raymond Chandler und seinen Lektoren, wie er in diesem Brief an Frederick Lewis Allen, den Herausgeber des «Harper’s Magazine», beklagt:

Vor langer Zeit, als ich noch Groschenromane schrieb, schrieb ich gelegentlich Zeilen wie diese in meine Geschichten: «Er stieg aus dem Auto und ging über den grell besonnten Bürgersteig, bis der Schatten der Markise auf sein Gesicht fiel wie ein Schwall kühlen Wassers.»

Das hat der Lektor dann immer herausgestrichen, bevor die Geschichte veröffentlicht wurde: «Die Leser mögen so etwas nicht, das hält doch nur die Handlung auf.»

Aber ich war vom Gegenteil überzeugt. Es stimmt einfach nicht, dass Leser sich nur für die Handlung interessieren. In Wahrheit geht es ihnen (ohne dass sie es selbst wüssten) nur am Rande um die Handlung. Was für die Leser zählt (und was für mich zählt), sind durch Details und Dialoge geschaffene Emotionen.

Die Leser erinnern sich nicht daran, dass ein Mann ermordet wurde, sondern daran, dass er im Moment seines Todes versucht, eine Büroklammer von der polierten Schreibtischplatte aufzuheben und dass sie ihm immer wieder entgleitet, sein Gesicht vor Anspannung verzerrt ist und sein Mund in einer verzweifelten Grimasse halb offen steht. Er denkt überhaupt nicht an den Tod. Er hört den Tod nicht einmal anklopfen. Diese verdammte kleine Büroklammer gleitet ihm immer wieder aus den Fingern …

[Raymond Chandler, Brief an Frederick Lewis Allen, 7. Mai 1948, frei übersetzt von Matthias Wiemeyer] *)

Was lernen wir daraus: Es sind die Details, die die Charaktere lebendig und die Szenen bemerkenswert machen. Aber nicht irgendwelche Details, sondern schlüssige, stimmige Details, die, rückblickend betrachtet, fast schon zwingend wirken, weil die Leser zustimmend nicken und denken: «Das passt genau.»

Die Handlung macht den Charakter

In schlechten Filmen finden sich oft Gespräche oder Telefonszenen, die einer Figur noch rasch ein paar Charakterzüge umhängen, die fürs Verstehen nötig sind: «Er ist so ein liebevoller Vater. Er hängt abgöttisch an seinen Kindern.»

Jetzt zittern wir umso mehr, wenn die Entführer seinen Kindern nachstellen.

Begabtere Autoren hätten einfach eine Szene geschrieben, in der wir sehen und erleben können, was für ein wunderbarer Vater er ist. Notfalls etwas Kitschiges (Vater liest Tochter Gutenachtgeschichte vor, Tochter himmelt Vater an) oder etwas Klitzekleines (Vater räumt, versonnen lächelnd, die im Hausflur verstreuten Kinderschuhe ins Regal.)

Die besten Schriftsteller stellen uns die Figuren durch ihre Handlungen, ihre Kleidung oder die Möbel, die sie lieben vor. Das funktioniert auch mit Tieren, wie dieser Brief an Leonard Russell zeigt, in dessen Hauptperson Chandlers Katze «Tiki» ist:

Manchmal sieht sie mich mit einem recht merkwürdigen Gesichtsausdruck an (ich kenne keine Katze, die einem so direkt in die Augen schaut) und ich hege den Verdacht, dass sie ein Dossier über mich hat. Denn der Ausdruck scheint zu sagen: «Du hältst dich wohl für einen ziemlich tollen Kerl, oder? Ob du dich noch genau so gut fühlen würdest, wenn ich mich entschlösse, ein paar von den Sachen zu veröffentlichen, die ich in meinen bizarren Momenten aufgeschrieben habe?»

Manchmal hat sie den Tick, eine Pfote lässig hochzuhalten und sie gedankenvoll zu mustern. Laut meiner Frau animiert sie uns, ihr eine Armbanduhr zu kaufen. Sie braucht sie aus keinem vernünftigen Grund – sie kann die Zeit besser einschätzen als ich –, aber etwas Schmuck scheint sie zu brauchen.

[Raymond Chandler, Brief an Leonard Russell, 29. Dezember 1954, frei übersetzt von Matthias Wiemeyer] *)

Das Wichtigste im Schnelldurchlauf

Was haben wir heute von Raymond Chandler gelernt?

  1. Spielregeln schützen vor peinlichen Fehlern. Aber wirklich starke Texte brauchen den Mut zur Lücke: das gekonnte Spiel mit kalkulierten Verstössen.
  2. Klug gewählte Details machen Ihren Text lebendig und berühren den Leser.
  3. Figuren leben durch ihr Handeln und die Umstände, in denen wir sie kennenlernen.

Das wars für heute.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer

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*) Ich stöbere gerne in den Briefen kluger Geister. Meine wichtigste Quelle ist die (englische) Website «Letters of Note», in der Shaun Usher unachahmlich feinsinnig, akribisch und unterhaltsam Briefe vorstellt, die eine breite Leserschaft verdienen. Er ist auch der Herausgeber diverser Brief-Sammelbände, darunter zwei auf Kunstdruckpapier gedruckte Trümmer, die gewiss tödlich wären, wenn Sie sie einem überraschten Einbrecher an den Kopf würfen und die zu kaufen ich Ihnen wärmstens ans Herz lege. Die Bücher sind auch in deutscher Übersetzung erhältlich. Ich ziehe aber die Originalfassung vor und habe die Texte daher hier für Sie übersetzt. Dabei habe ich mir alle Mühe gegeben, den «Schwung», den ich beim Lesen der Urtexte gespürt habe, in meine deutsche Version hinüberzuretten. Manche typisch englische Formulierung, deren wortgetreues Pendant fremdartig klang oder die Melodie des Originals zerstörte, habe ich so lange umgeschrieben, bis sie für meine deutschen Ohren so klang, wie das Original für englische Ohren geklungen haben mag.

Und hier ist die Liste aller Artikel über guten Schreibstil

Storytelling und Reden halten: Rezepte, die Sie noch nicht kannten [Storytelling ist die magische Zutat für gute Texte. Und beim Reden halten ist das Erzählen passender Geschichten die Geheimwaffe der Profis.]

 

Wie Sie spannende Wissenschaftstexte schreiben und Ihr Publikum begeistern [Wissenschaftstexte müssen nicht langweilig sein. Wenn sie uns zum Staunen bringen, sind sie so spannend, dass wir sie nicht mehr zur Seite legen können.]

 

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Schulterblick: Text überarbeiten (Das Passiv ...) [Hier können Sie mir über die Schulter sehen und meine Gedanken lesen, während ich einem Text für die Veröffentlichung auf unserer Website letzten Schliff gebe.]

 

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Texte, die zünden: Wie das Unmögliche möglich wird [Klug, gut gemeint, hilfreich: Das reicht nicht. Damit ein Text zündet, muss jedes Detail stimmen. Hier wirds erklärt.]

 

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Ausserdem: Wenn Sie Fehler in Rechtschreibung und Grammatik suchen, haben wir hier die gleiche Übersicht zum Thema «Korrekte Texte». Und hier ist unsere Übersicht mit allen Artikeln über Online-Marketing.

Frau liest Duden

Rechtschreibprüfung Schweizerhochdeutsch

Rechtschreibprüfungen gibt es viele. Aber unsere ist besonders clever und auf Schweizerhochdeutsch (daß -> dass, parken -> parkieren ...) voreingestellt.

schreiben fuers Web

Schreiben fürs Web: die 20 besten Tipps klipp und klar erklärt

Texte schreiben liegt Ihnen. Aber bei Texten für Webseiten sind Sie unsicher. Das ändert sich jetzt.

Schulterblick: Das Passiv

Kein Text ist sofort gut genug für ihre Website. Bevor Sie ihn in die freie Wildbahn entlassen, braucht er Liebe zum Detail.

so geht spannung

So geht spannend

In unserem Alltag, in unseren Beziehungen mit Partnern, Kindern, Eltern, Nachbarn … möchten wir Spannungen vermeiden. Wir möchten unsere Ruhe haben; möchten, dass die Welt in Ordnung ist.

6 schreibtugenden

So schreiben Profis: 6 Schreibtugenden für bessere Texte

Schreiben ist alltäglich. Wir können es tun, ohne das Hirn einzuschalten – und tun es auch. Aber für gute Texte reicht die gedankenlose Schreiberei nicht aus.

Gute Texte brauchen das gewisse Etwas. Was genau? Hier wirds erklärt.

Frau am Computer

So schreibt man heute: die wichtigen Kleinigkeiten für Ihre Korrespondenz

Der gute alte Brief wird uns vorerst noch erhalten bleiben. Grund genug, kurz durchzubuchstabieren, was die modernen Standards für geschäftliche Korrespondenz sind.

Illustration: Storytelling und Reden halten

Storytelling und Reden halten: Rezepte, die Sie noch nicht kannten

Wer öffentlich reden muss und kein abgebrühter Profi ist, hat zwei Probleme:

  1. Lampenfieber
  2. Aufbau und Inhalt der Rede

Gegen Problem 1 helfen meine Tipps zur (mentalen) Vorbereitung. Bei Problem 2 hilft Storytelling (ausführlich im zweiten Teil des Artikels).

Frei reden: Ein Horrortrip

Vor einer grösseren Menschenmenge zu reden ist für viele Menschen ein Graus. Eine gute Freundin von mir ist mal vor einer Gruppe von Primarschullehrern (denen Sie etwas über Logopädie erzählen wollte) in Ohnmacht gefallen. Sie war absolut sattelfest und kannte viele der Zuhörerinnen von gemeinsamer Arbeit. Aber als sie frei vortragen sollte, fühlte sie sich wie eine Dreijährige vor einem Erschiessungskommando. Da fiel sie in Ohnmacht.

Ganz so arg fand ich das Reden nie und seit ich selbstständig bin, habe ich dazugelernt. Heute empfinde ich ¾ Vorfreude und ¼ Nervosität.

Wohlfühl-Regeln für öffentliche Vorträge

Das freie Sprechen ist der ungeliebte Bruder des Erzählens. Erzählen können wir alle.

Aber beim Redenhalten sind viele Menschen sich selbst fremd. Sie werden zu Zombies, die sich selbst nicht spüren. Der Zombie macht nichts von alleine. Jeder Satz, jede Geste, jeder Wechsel der Betonung muss ihm einzeln aufgetragen werden. Das zehrt Kräfte und im besten Fall kommt trotzdem nur ein ungelenker Vortrag dabei heraus.

Sie können kurzweilig reden, wenn Sie erzählen, wie Sie in den Ferien improvisieren mussten, weil Ihr Gepäck aus Versehen nach Sri Lanka flog. Warum Sie das können? Weil das eine Geschichte ist, die Sie erlebt haben und Sie wieder mit Haut und Haaren in das Erlebnis eintauchen, wenn Sie davon erzählen.

Etwas von diesem Feuer müssen Sie in die Ansprache an Ihre Mitarbeiter einbauen, wenn Sie sie für die Ziele im neuen Geschäftsjahr begeistern wollen.

Jeder erzählt anders. Der eine spricht leise, mit sparsamen Gesten in wohlgesetzten Worten und je leiser seine Stimme wird, desto stiller wird es im Raum. Der andere überrollt uns mit seiner Geschichte, hat Arme und Hände überall und untermalt seine Geschichte mit schaurigen Grimassen.

Beides ist in Ordnung. Hauptsache, Sie benutzen die Erzählstimme, die zu Ihnen gehört.

6 Tipps fürs Wohlfühlen beim freien Reden

Der Schlüssel zum entspannten Reden ist Ihre Erzählstimme. Wenn die Rede sich für Sie (fast) so anfühlt, wie eine Erzählung unter Freunden, haben Sie gewonnen.

So klappt das bei mir:

  1. Ich halte nur Vorträge zu Themen, die ich sehr gut kenne.
  2. Ich bereite mich besonders sorgfältig auf den Anfang vor.
  3. Ich überlege mir den roten Faden und die 3 – 5 wichtigsten Punkte.
  4. Ich baue eigene Erlebnisse ein.
  5. Ich halte nur Vorträge für Auftraggeber, die mir sympathisch sind.
  6. Ich überlege mir etwas für meine Hände.

Punkt 1

ist natürlich naheliegend. Als ich jünger war und mich profilieren wollte, habe ich den manchmal nicht so ernst genommen. Dann wurde es eng.

Punkt 2

ist meine wichtigste Anti-Lampenfieber-Strategie. Wenn die ersten Minuten gut über die Bühne gegangen sind (das merke ich daran, dass die Zuhörer gute Laune haben und Interesse zeigen) komme ich in einen Schwung, der mich durch den Vortrag trägt.

Punkt 3

ist ein übersichtlicher Fahrplan, an dem ich mich festhalten kann, auch wenn ich zwischendurch mal abschweife oder den Faden verliere. So komme ich nach kurzem Stolpern leicht wieder in Schwung.

Punkt 4

macht meine Vorträge lebhaft, originell und glaubwürdig. Ausserdem: Wenn ich meine eigenen Geschichten einbaue, kommt die Erzählstimme ganz natürlich auf die Bühne. Deshalb sind eigene Geschichten der ideale Einstieg (siehe Punkt 2). Ich finde immer eine Geschichte zum Einstieg, weil jeder Vortrag einen Hintergrund hat: Irgendjemand hat mich angefragt, weil er ein bestimmtes Anliegen hat und dann haben wir uns unterhalten, was ich dazu beitragen könnte. Wenn dieses Gespräch interessant war, liefert es auch eine Geschichte für den Einstieg.

Punkt 5

kann sich nicht jeder leisten, aber zum Üben ist ein freundliches Ambiente ideal.

Punkt 6

Wenn ich einen Vortrag halte, fühlen meine Arme sich plötzlich wie Fremdkörper an. Am liebsten würde ich sie in die Hosentaschen stecken, aber dann stecken sie fest, wenn ich gestikulieren möchte. Ausserdem sieht es unbeholfen aus. Zur Handhaltung beim Reden gibt es viele gute Tipps von erfahrenen Bühnenprofis. Mir gefällt besonders gut dieses Video von Doro Plutte. Lassen Sie sich da mal inspirieren und üben Sie die passende Haltung zuerst in einem Zweiergespräch. Ansonsten bewege ich mich einfach so, wie mir am wohlsten ist. Ich schrecke nicht davor zurück, die Arme vor der Brust zu kreuzen oder den Zuhörern zwischendurch den Rücken zuzudrehen und versuche nicht meine Füsse in einem bestimmten Abstand zu halten oder die Knie elastisch zu haben oder sonst etwas. Ich bewege mich einfach so, wie es sich für die «Unterhaltung» mit den Zuhörern anbietet. Es stimmt schon, dass gekreuzte Arme abweisend wirken können. Aber ich mag mein Publikum und das merkt es auch. Lieber mache ich ein paar «Fehler» und wirke authentisch als dass ich dauernd darüber nachdenken muss, wie ich gerade gehe oder stehe.

Zwischenfazit

Wenn Sie Ihren Vortrag so vorbereiten, sind Sie mental bestens eingestellt und von Anfang an gut gelaunt unterwegs.

Aber mentale Vorbereitung ist nicht alles. Sie müssen sich auch noch überlegen, worüber Sie sprechen wollen, also welche Themen Sie in welcher Reihenfolge ansprechen.

Inhaltliche Tipps fürs Reden

Egal, ob Sie einen TED-Talk geben, Ihre Mitarbeiter auf die neue Strategie einschwören, Ihre Forschungsergebnisse präsentieren oder eine Laudatio auf Ihre Mutter halten: Sie dürfen nicht langweilen.

Wenn der Schulleiter bei der Vergabe der Maturazeugnisse mit einem Cicero-Zitat beginnt und dann 30 Minuten lang Allgemeinplätze über lebenslanges Lernen, Selbstdisziplin und das Überwinden von Widerständen ablässt, ist jede Minute zu viel.

Eigentlich ist «wie lang» die falsche Frage. Die richtige Frage ist «Wie?». «Wie soll eine gute Rede sein?» Und die Antwort lautet: «Unterhaltsam.»

Solange Ihr Publikum interessiert zuhört (und Sie den Zeitplan nicht sprengen), ist alles in Butter. Aber sobald die Leute unruhig werden, ihre Handys aus der Tasche holen und den Blick im Saal wandern lassen, ist es schon zu lang.

Ein Beispiel: Ihre Mitarbeiter auf die neue Strategie einschwören

Mal ehrlich: Auch wenn eine neue Strategie verkündet wird, bleibt doch das Meiste noch beim Alten. Beten Sie das Alte nicht noch einmal herunter. Das kennen alle. Kurz erwähnen dürfen Sies. Aber dann konzentrieren Sie sich auf das Neue

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Wie anfangen?

Beginnen Sie nicht mit einer Inhaltsangabe («Heute will ich mit Ihnen über 4 Themen sprechen. Zuerst geht es um …, dann berichte ich Ihnen über Neuigkeiten aus der Foschung, dann …»)

Beginnen Sie mit einer Geschichte. Ohne jedes Vorgeplänkel. Ohne «Sehr geehrte Damen und Herren», ohne «Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Vertreter der Gewerkschaft, sehr geehrte Verwaltungsräte ...»

Beginnen Sie direkt mit einer Geschichte:

Der Fritz hat in seinem Büro etwas Neues. Eine 4 Meter 50 lange Pinwand. An der hängen an die 250 kleine Zettel. Die Vorderseite ist grün. Grün bedeutet: «Alles in Ordnung». Die Rückseite ist rot. Das bedeutet «aufgepasst». Wir haben diese Zettel extra für ihn drucken lassen. Warum? Weil diese Zettel uns auf Kurs halten. Weil Fritz mit seinem ganzen Team jeden Morgen als erstes vor der Pinwand steht und danach alle wissen, was an diesem Tag zu tun ist. Und jedes Mal, wenn sie einen roten Zettel umdrehen können, gibt es ein ‹High Five›.»

Niemand wird das «Sehr geehrte Kollegen» vermissen. Jeder wird die Pinwand mit den Zetteln im Kopf haben und gespannt erwarten, wie es weiter geht.

Ordnung im Kopf

Wenn es sein muss, können Sie jetzt Ihr Inhaltsverzeichnis abliefern. Aber empfehlen möchte ich das nicht. Wichtig ist, dass Sie genau im Kopf haben, was Sie in welcher Reihenfolge erzählen möchten. Dann folgen Ihnen Ihre Zuhörer auch ohne zu wissen, was noch alles kommt. Wie Sie zu einem klaren Roten Faden kommen, habe ich hier erklärt.

Eine Vorschau auf das Kommende schadet oft mehr als sie nützt, weil die Zuhörer abschweifen. Sie wissen ja, dass später noch die Daten aus der Reklamationsabteilung kommen und wundern sich, wie wohl der Zusammenhang zum aktuellen Thema ist.

Behalten Sie Ihr Inhaltsverzeichnis für sich, aber machen Sie den roten Faden deutlich. Das reicht.

Wie weiter?

Für eine gute Rede brauchen Sie spannendes Material; interessante Geschichten aus dem prallen Leben für jedes Ihrer wichtigen Argumente.

Wenn Sie von einem Grosseinsatz der Feuerwehhr berichten, ist das natürlich einfach. Aber auch wenn es um Pensionskassenreglemte, Flächennutzungspläne oder die Vorstellung Ihres Corona-Schutzkonzeptes geht, sind lebendige Geschichten erste Wahl.

Die Frage ist nur: Wo finden Sie solche Geschichten? Diese Tipps helfen beim Suchen:

  • Personen:
    Daten sind abstrakt und unpersönlich. Aber sie sind nur deshalb wichtig, weil sie zu neuen Einsichten führen und weil diese neuen Einsichten für irgendjemanden etwas bedeuten. Die neue Steuer soll eine Milliarde Einnahmen bringen. Warum eine neue Steuer und warum eine Milliarde? Das hat sich jemand überlegt. Diese Person wird gute Gründe haben und ihre Position mit Herzblut vertreten. Lassen Sie sie zu Wort kommen. Oder leihen Sie den Gegnern Ihre Stimme. Jedenfalls ist es viel interessanter, die Personen hinter den Gedanken zu zeigen als nur die Zahlen sprechen zu lassen. Irgendjemand wird die Steuer wohl zahlen müssen. Wer wird das sein? Was bedeutet das für Corinne und Ueli, die in Allschwil gerade neu gebaut haben? Das wüsste ich auch gern.
  • Die Geschichte der Ideen:
    Unser Blog sollte ursprünglich ein gedruckter Schreibratgeber werden. Aber dann entschieden wir uns, diese Inhalte als Blog zu veröffentlichen. Ein Buch muss von Anfang bis Ende fertig sein, bevor es in Druck geht. Ein Blog ist schon öffentlich, wenn das erste Kapitel geschrieben ist. Heute lesen an die 30.000 Menschen jeden Monat unsere Blogartikel und wenn sie schon mal auf der Website sind, buchen manche auch noch einen Kurs. Mein Schreibratgeber wäre wohl kaum 30.000-mal pro Monat verkauft worden. Und selbst wenn: Die Buchkunden wären immer noch nicht auf unserer Website gelandet. Mit einem Blog zu starten war für uns eine kreative und sehr erfolgreiche Idee (die zum Beispiel einen schönen Einstieg für einen Vortrag übers Blogschreiben abgäbe).
  • Bemerkenswerte Beobachtungen:
    Die beiden Forscher, die 1978 für die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung den Nobelpreis bekamen, hielten das kosmische Rauschen zunächst für einen «Dreck-Effekt», verursacht durch Taubenmist auf ihrer Mikrowellenantenne. Sie schruppten die Antenne gründlich ab, um das Rauschen zu entfernen und gingen auch sonst noch allen möglichen Fehlerquellen nach. Aber: Das Rauschen blieb. Erst als sie mit ihrem Latein am Ende waren, kam ihnen der Gedanke, das Rauschen könnte kein Fehler sein, sondern die Signatur der schon seit 50 Jahren theoretisch belegten, aber nie gemessenen «kosmischen Hintergrundstrahlung». Was für eine schöne Geschichte für einen Vortrag über Astrophysik.
  • Ungewöhnliche Kundenanfragen:
    Als wir unser Geschäft begannen, waren wir eine reine Schreiberschule. Aber wir verkauften unsere Kurse ausschliesslich online. Wir wussten, welche Methoden im Online-Marketing funktionierten, hatten das Thema Online-Marketing aber nicht als Kursangebot im Kopf. Erst als ein knappes Dutzend Anfragen nach so einem Lehrgang eingegangen war, haben wir unseren Online-Marketing-Lehrgang entwickelt. Der Lehrgang war der erste seiner Art in der Schweiz und ist bis heute eines unserer erfolgreichsten Angebote. Auch Sie haben Kunden, die mit ihren Anfragen, ihrer Kritik oder ihrem Lob etwas ins Rollen brachten. Fahnden Sie danach und benutzen Sie das Material für Ihre nächste Rede.
  • Erlebnisse beim Recherchieren:
    Während der deutschen Wiedervereinigung arbeitete ich bei einer Bank in Frankfurt und interessierte mich für die vielen Hilfspakete zum Wiederaufbau der ostdeutschen Wirtschaft (ähnlich den heutigen Corona-Programmen). Weil ich als Trainee nicht ausgelastet war, habe ich aus meinen Recherchen einen «DDR-Report» gemacht. Ich wollte schneller als TV und Print sein (Google gabs erst 6 Jahre später) und meinen Lesern als Erster über alles Neue zu berichten. Als Trainee kannte mich niemand. Aber als Fachmann für Förderprogramme kannte mich bald jeder. Erzählen Sie, was Sie beim Recherchieren erlebt haben. Das hören Ihre Zuhörer gern.

Zwischenfazit

Gute Reden leben von interessanten Geschichten. Je mehr es Ihre Geschichten sind, umso leichter fällt es Ihnen, beim Vortrag die Erzählstimme auf die Bühne zu holen.

Für jeden wichtigen Kerngedanken brauchen Sie eine Geschichte als Aufhänger. Wenn die Geschichte interessant ist, hören die Leute danach gerne auch die Fakten. Aber ohne Geschichten ist Ihre Rede nur Gerede.

Kein Datenfriedhof

Sie haben sich natürlich Gedanken gemacht. Sie haben mehrere Hektar Daten durchpflügt und dabei ein paar zündende Ideen gefunden. Sie haben gerechnet, verglichen und Annahmen getestet, bis der harte Kern einer neuen Erkenntnis zurückblieb. Und diese Erkenntnis ist der Treiber Ihrer neuen Strategie.

Gerade weil Sie sich so viel Mühe mit der Vorarbeit gegeben haben, müssen Sie sich hüten, Ihren Datenfriedhof zu präsentieren.

Nur Sie haben sich wochenlang mit den Daten beschäftigt, Ihre Zuhörer nicht. Nur ganz langsam lichtete sich für Sie der Nebel, doch jetzt wissen Sie, was die vielen Daten Ihnen zu sagen hatten. Aber Ihre Zuhörer können Ihnen auf die Schnelle gar nicht folgen. Deshalb müssen Sie ein paar spannende Aussagen herauspicken. Die Aussagen, die für die neue Strategie zentral sind. Und nur für diese liefern Sie Belege. Drei wichtige Aussagen sind ein gutes Mass. Wenn es mehr sind, gehen sie ohnehin unter.

Von Menschen sprechen

Wenn Sie von den Daten zu den neuen Massnahmen kommen, stellen Sie Menschen und ihre Geschichten in den Mittelpunkt. So haben Sie gleich ein paar Verbündete. Das klingt dann vielleicht so:

«Ihr kennt alle den Fritz. Der ist seit 15 Jahren im Betrieb. Und seit 10 Jahren liegt er uns mit dieser Idee in den Ohren. Anfangs hielten wir ihn für verrückt, aber dann sind wir der Sache nachgegangen …»

Würzen Sie den Bericht mit interessanten Details:

«16 Mal musste er den Prozess überarbeiten. Dann hat endlich alles gepasst …»

Nach solcher Vorarbeit könen Sie dann ein paar ordentliche Fakten bringen, die ganz honorig, «business-like» rüberkommen:

«Seit dem 1. Januar 2020 arbeiten wir mit dem neuen Prozess. Inzwischen sind die Bearbeitungszeiten um 28% gesunken und die Fehlerquote ist so niedrig, dass wir sie kaum mehr messen können…»

Am Schluss kehren Sie vielleicht noch einmal zum Fritz zurück:

«Und das alles nur, weil der verrückte Fritz sich nichts hat sagen lassen.»

Zeigen Sie sich

Am überzeugendsten sind Sie, wenn Sie von sich erzählen. Berichten Sie, welchen Spuren Sie nachgegangen sind, welche Ereignisse Sie beeindruckt haben, welcher Kollege Sie auf eine neue Idee gebracht hat und was Sie aus den Fehlern gelernt haben, die Sie nicht noch einmal wiederholen möchten.

Wer beim Reden seine Persönlichkeit zeigt, wirkt glaubwürdig. Wenn wir jemandem zuhören, beurteilen wir nicht jedes einzelne seiner Argumente. Wir beobachten die Person insgesamt und finden dann: «Der kaufe ich das ab.» – oder nicht.

Kernaussagen festnageln

Jede Kernaussage braucht eine (menschliche) Geschichte, die nicht nur verstehbar, sondern auch erlebbar macht, warum der Gedanke wichtig ist. Für eine menschliche Geschichte werden viele Leute sich begeistern. Mit ZDF (Zahlen, Daten und Fakten) schaffen Sie es nur bis in die Grosshirnrinde. Aber Sie müssen auch das Herz erreichen. Sonst bleibt die Strategie ein fremdes Gedankenspiel, für das sich keiner engagiert.

Wie enden?

Ganz zum Schluss ist eine Zusammenfassung nützlich. Greifen Sie dazu noch einmal kurz die Bilder und Geschichten auf und sagen Sie den Leuten in 3 Sätzen, was die Quintessenz Ihres Vortrags ist.

Punktlandung.

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Das Wichtigste im Schnelldurchlauf

  • Tipps zum Wohlfühlen bem Reden
    • Halten Sie nur Vorträge zu Themen, die sie gut kennen.
    • Bereiten Sie sich besonders sorgfältig auf den Anfang vor.
    • Überlegen Sie sich den roten Faden.
    • Bauen Sie eigene Erlebnisse und Geschichten ein.
    • Üben Sie eine Parkposition für Ihre Hände.
  • Tipps zu Inhalt und Aufbau
    • Die Rede darf so lang sein, dass sie nicht langweilt.
    • Beginnen Sie ohne Vorgeplänkel mit einer Geschichte.
    • Streichen Sie die Inhalts-Vorschau am Anfang.
    • Nutzen Sie für jedes wichtige Argument eine Geschichte.
    • Geschichten müssen Sie nicht erfinden, sondern finden.
    • Zeigen Sie Daten nur sparsam, sie sind oft zu abstrakt.
    • Bringen Sie Personen ins Spiel.
    • Erzählen Sie von sich selbst.
    • Enden Sie mit einer kurzen Zusammenfassung.

Das wars für heute.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer


Und hier ist die Liste aller Artikel über guten Schreibstil

Storytelling und Reden halten: Rezepte, die Sie noch nicht kannten [Storytelling ist die magische Zutat für gute Texte. Und beim Reden halten ist das Erzählen passender Geschichten die Geheimwaffe der Profis.]

 

Wie Sie spannende Wissenschaftstexte schreiben und Ihr Publikum begeistern [Wissenschaftstexte müssen nicht langweilig sein. Wenn sie uns zum Staunen bringen, sind sie so spannend, dass wir sie nicht mehr zur Seite legen können.]

 

Wie Sie unwiderstehliche (Produkt-)Texte schreiben [Wer Produkttexte schreibt, setzt gern die rosa Brille auf und schwelgt in Positivem. Aber: Solche Texte verkaufen schlecht. Gute Produkttexte brauchen einen Schuss Tabasco.]

 

Das Passiv: unverstanden, misshandelt, verschrien [Das passiv hat ein Imageproblem. Aber es ist unschuldig in Verruf geraten. Warum es besser ist als sein ruf, lesen Sie hier.]

 

 

Raymond Chandlers Katze: Der Text lebt vom Detail [3 kluge Tipps für bessere Texte aus den Briefen von Raymond Chandler – unter Mitwirkung seiner Katze «Tiki».]

 

Schulterblick: Text überarbeiten (Das Passiv ...) [Hier können Sie mir über die Schulter sehen und meine Gedanken lesen, während ich einem Text für die Veröffentlichung auf unserer Website letzten Schliff gebe.]

 

«The hill we climb» auf Deutsch – übersetzt von DeepL, Google und Microsoft [Können Online-Übersetzungsdienste auch Gedichte übersetzen? Ja, sie können es. Nicht perfekt, aber brauchbar. Vor allem DeepL.]

 

Verständliche Fachtexte schreiben: So liebts Ihr Leser  [Speziell für Ingenieure, Mikrobiologen, Ärzte, Softwareentwickler, Finanzplaner, Steuerberater und Soziologen: So bringen Sie Ihr Wissen verständlich aufs Papier.]

 

Das Lob der Verben: 16 gute Gründe, die Verben zu lieben[Das Lebendige an Ihren Texten wohnt im Land der Verben, weil sie beschreiben, wie das Hackebeil auf die Holzscheite kracht, ein Kätzchen sich die Pfoten leckt oder das Herz für eine Idee entflammt.]

 

Was Sie von Mark Twain über Adjektive lernen können [Das wissen nur wenige: Adjektive sind Textverschlimmerer. Die meisten sollte man ersatzlos streichen; dann sind die restlichen ein Gewinn.]

 

Konkret und bildhaft schreiben – so gehts [So wird aus Buchstabensuppe grosses Kopfkino: Wenn Sie die Leser auf Ihre Reise mitnehmen, statt nur darüber zu berichten.]

 

Bewerbungen, die begeistern: So kommen Sie ins Vorstellungsgespräch  [Die jungen Überflieger sind überall begehrt. Aber Charakterköpfe mit Lebenserfahrung werden oft frühzeitig aussortiert. Das lassen wir nicht zu.]

 

Der rote Faden: Rezepte [Wo der rote Faden fehlt, ist das Lesen eine Plackerei. Wer viel weiss, hat oft die grösste Mühe. Wir lotsen Sie durch schwieriges Gelände.]

 

Das treffende Wort: Reparaturanleitung für lahme Texte [Gute Texte brauchen rassige Wörter mit Strahlkraft und Aroma. Wie Sie die finden (und von den laschen Verliererwörtern unterscheiden) erklärt dieser Artikel.]

 

Texte, die zünden: Wie das Unmögliche möglich wird [Klug, gut gemeint, hilfreich: Das reicht nicht. Damit ein Text zündet, muss jedes Detail stimmen. Hier wirds erklärt.]

 

So geht spannend: 8 Tipps von Autor Peter Höner [Krimiautor Peter Höner erklärt Ihnen die 8 Methoden, um Spannung zu erzeugen und bis zum Höhepunkt am Lodern zu halten.]

 

Briefe für den Mülleimer: Machen Sies besser [Was unterscheidet einen gelungenen Werbebrief von hilfloser Reklame? Wir erklären es an einem echten Beispiel.]

 

So schreibt man heute: die wichtigen Kleinigkeiten für Ihre Korrespondenz [Zeitgemässer Briefstil läuft anders als vor 20 Jahren. Wir erklären den modernen Standard.]

Anschaulich Schreiben – 8 Tipps für Kopfkino und fesselnde Geschichten [Asta Nielsen war die berühmteste Diva des Stummfilms. Sie hatte keine Worte. Die Kraft der Bilder musste genügen. Von ihr können Sie überraschend viel für spannende Texte lernen.]

 

Das Weihnachtselend – Backanleitung für lesenswerte Weihnachtskarten [Wenn sie mal eine Weihnachtskarte (oder Geburtstags- oder Glückwunschkarte) schreiben möchten, die so richtig zu Herzen geht, lesen Sie diese Tipps.]

 

Was tun gegen Schreibblockaden? [Wenns mit dem Schreiben stockt, muss man vor allem mit dem Trübsalblasen aufhören. Dann gehts irgendwann schon wieder. Und in der Zwischenzeit (zur Belebung ihrer kreativen Quellen) machen Sie Barbara Lukeschs Übung zum karierten Schreiben.]

Ausserdem: Wenn Sie Fehler in Rechtschreibung und Grammatik suchen, haben wir hier die gleiche Übersicht zum Thema «Korrekte Texte». Und hier ist unsere Übersicht mit allen Artikeln über Online-Marketing.

texte die zuenden

Texte, die zünden: Wie das Unmögliche möglich wird.

Souverän und klar. Auf den Punkt. Ohne ein Gramm Fett. So klingen Texte, die das Unmögliche möglich machen.

direkte rede

Überraschend schwierig: Korrekte Zeichensetzung in der direkten Rede

Die direkte Rede ist für literarische Texte ein wichtiges Stilmittel. Dialoge und Monologe schaffen Atmosphäre, zeigen Denkprozesse, liefern Fakten und machen die sprechende Figur lebendig.

Die Fantatstischen vier der Textverständlichkeit

Verständlich Schreiben:
Kennen Sie die 4 Dimensionen der Textverständlichkeit?

Was Sie auch vorhaben: Ein Text, den keiner versteht, bringt Sie nicht weiter

Mikrobiologe im Labor

Verständliche Fachtexte schreiben: So liebts Ihr Leser.

Liebe Ingenieure, Mikrobiologen, Ärzte, Softwareentwickler, Finanzplaner, Steuerberater und Soziologen.

frau denkt nach

Was kommt jetzt?
Wie Sie für Ihren Blog die besten Themen finden.

Blogs sind nimmermüde Verkaufshelfer. Das wissen Sie wohl schon; vielleicht haben Sie diesen Artikel mit den 10 guten Gründen, einen Blog anzufangen gelesen.

Twainmark tötet sie

Was Sie von Mark Twain über Adjektive lernen können

Adjektive sind hilfreich. Manchmal sind sie das Salz in der Suppe, manchmal liefern sie das überraschende Detail und manchmal besiegeln sie ein Urteil.

So geht kreativ

Wie geht kreativ? 3 Phasen schaffen Durchblick.

Wer gute (Werbe-)Texte schreiben will, hat regelmässig ein Problem: Eine gute Idee muss her. Eine originelle, interessante, die funktioniert.

Illustration: Anzeigenerweiterungen erhöhen Sichtbarkeit

Mehr Wirkung, weniger zahlen: Wie Sie Google Ads (früher: AdWords) Beine machen.

Diesen Blogartikel und das dazugehörige Google-Ads-Glossar: «Google-Ads-Begriffe einfach erklärt» hat unsere fabelhafte Lehrgangs-Absolventin Isabell Conzett geschrieben. Sie schreibt auch für Sie, wenn Sie sie nett fragen

Illustration: Spannende Wissenschaftstexte schreiben

Wie Sie spannende Wissenschaftstexte schreiben und Ihr Publikum begeistern

Wenn Sie einfach nur mit Summa cum Laude promovieren wollen, ist dieser Aufsatz nichts für Sie. Kommen Sie gerne wieder, wenn Sie das Rigorosum hinter sich haben.

Aber wenn Sie zu einem wissenschaftlichen Thema etwas zu sagen haben, in eine Debatte eingreifen wollen oder es leid sind, nur von einer handvoll Fachgelehrter gelesen zu werden – dann kommen Sie auf Ihre Kosten.

Auch Ingenieure, Produktentwickler oder Ärzte werden hier erfahren, wie sie die Kraft wissenschaftlicher Argumente für Geschäft und Karriere nutzen können.

Das erkläre ich ihnen am Beispiel von Astrophysiker, Fernsehstar und Bestsellerautor Neil deGrasse Tyson.

Das Universum für Eilige

«Am Anfang, vor nahezu 14 Milliarden Jahren, drängte sich aller Raum, alle Materie und alle Energie des bekannten Universums auf kaum ein Billionstel der Grösse des Punktes, der diesen Satz beendet.»

So beginnt Neil deGrasse Tyson seinen Weltbestseller «Astrophysics for People in a Hurry» («Das Universum für Eilige», Piper).

Im Original klingt das am besten, nämlich so:

«In the beginning, nearly fourteen billion years ago, all the space and all the matter and all the energy of the known universe was contained in a volume less than one-trillionth the size of the period that ends this sentence.»

Was für ein Auftakt für ein Sachbuch. Und zugleich die erste Lektion für spannende (nicht nur verständliche) Wissenschaftstexte.

1. Machen Sie es anschaulich.

Das Universum war nicht so gross wie ein Millionstel eines Staubkorns oder einer winzigen Bakterie.

Es war so gross wie ein Billionstel des Punktes, der diesen Satz beendet. Von den unzähligen Möglichkeiten, die Winzigkeit des Anfangs zu benennen, nimmt Neil deGrasse Tyson den Punkt, den Sie direkt vor Augen haben. Den Punkt müssen Sie sich nicht vorstellen. Sie könnnen ihn sehen. Sie können mit dem Finger darüberstreichen und sich wundern, wie aberwitzig klein der Anfang war.

Anschauliche Vergleiche sind vor allem dann wichtig, wenn es um Zahlen geht, die zu klein oder zu gross zum Vorstellen sind.

Ich weiss zwar immer noch nicht recht, wie klein ein Punkt ist, dessen millionsten Teil ich noch einmal in eine Million Teile schneide. Aber dass er so richtig, richtig klein sein muss, das habe ich verstanden.

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2. Achten Sie auf Emotionen

An Hochschulen gilt es als hohe Kunst, wissenschaftliche Texte möglichst emotionslos zu formulieren. So entstehen sachliche, aber langweilige Texte.

Ich bin ein Fan von Emotion – auch in wissenschaftlichen Texten.

Die Begeisterung fürs Thema darf auch in einem Sachtext durch die Zeilen drücken. Das sorgt für Schwung, Lesefreude und Glaubwürdigkeit. Wenn Sie der gleichen Meinung sind und gerade an Ihrer Dissertation schreiben, muss ich Sie aber warnen: Mancher Doktorvater empfindet das als unwissenschaftlich.

Lieber vorher fragen.

Hier geht es aber vor allem um populärwissenschaftliche Texte (der Doktorvater hebt geringschätzig die Braue). Bei denen sind nicht nur die Emotionen des Schreibers wichtig. Auch die des Lesers spielen eine Rolle. Vor allem dann, wenn das Thema kontrovers diskutiert wird. Bei solchen Themen lösen Fakten keine Erkenntnis, sondern Gefühle aus.

Gefühle sind schneller und stärker als Vernunft.

Wenn es brenzlig wird, ist die Angst sofort da. Dann rennen oder kämpfen wir, ohne lange nachzudenken. Das hat sich in der Evolution bewährt und ist im Bewusstsein fest verdrahtet. Die Ratio hat auch ihren Ort und ihre Zeit. Aber sie wirkt langsam und langfristig und nur wenn gerade keine Gefahr akut ist.

Wenn Sie ängstliche Menschen mit Argumenten erreichen wollen, brauchen Sie eine spezielle Strategie. Sie müssen einen Zweifel säen, der für einen kurzen Moment infrage stellt, ob Flucht oder Kampf wirklich die beste Antwort ist. Diesem Zweifel schicken Sie Ihre Argumente hinterher.

Das klappt in 20% der Fälle – immerhin.

Aktuell gibt es eine Debatte zu Corona, in der sich wissenschaftliche Fakten nur schwer behaupten. Angst, Hilflosigkeit oder Wut blockieren die Vernunft.

Bei Quora las ich kürzlich eine Diskussion über eine seltene Nebenwirkung der Corona-Impfung aus dem Hause Astra Zeneca: Bei 0,0005% der Geimpften trat eine lebensbedrohliche Sinusnerventrombose auf.

Ein Quora-Nutzer stellte die Frage:

«Warum sollte ein gesunder und sportlicher 20-jähriger Mensch eine Hirnvenenthrombose durch AstraZeneca riskieren, wenn rein statistisch die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu sterben, fast nicht existent ist?»

Ja, warum sollte er? «Weil er rechnen kann», beginnt Jobst von Steinsdorff seine Antwort.

Dann rechnet er akribisch vor, dass selbst ein gesunder 20-jähriger 1000-mal eher an einer Corona-Infektion stirbt (etwa 0.15% Risiko) als an der schweren Nebenwirkung «Sinusnerventrombose» (etwa 0,00017% Risiko).

Aber wenn Angst im Spiel ist, bewirkt Statistik nur wenig. Angst macht irrational und das illustriert von Steinsdorff zum Ende seines Beitrags mit einem anschaulichen Vergleich:

«Die Ausgangsbasis der Frage mag ob der Berichterstattung emotional verständlich sein, rational ist sie aber nicht. Ebenso wie der nicht rational ist, der Angst hat, sich ins Flugzeug zu setzen, aber keinerlei Bedenken, mit dem Auto zum Flughafen zu fahren.»

Das gibt zu denken. Vielleicht.

3. Lassen Sie den Text klingen

Ein guter Text ist nicht nur verständlich und interessant. Er klingt auch gut und hat einen Rhythmus, der ins Blut geht.

Vor allem in den entscheidenden Passagen (Einstieg, zentrale Aussagen, Resümee) lohnt es sich, an Melodie und Kadenz des Ausdrucks zu feilen. Für alle anderen Textteile gilt: Lesen Sie sie laut vor. Wenn das flüssig geht, ist die Melodie in Ordnung.

Schauen wir uns noch einmal den ersten Satz an. Wir nehmen ihn auseinander und schreiben die Satzglieder untereinander:

«In the beginning,
nearly fourteen billion years ago,
all the space
and all the matter
and all the energy
of the known universe
was contained in a volume
less than one-trillionth the size of the period
that ends this sentence.»

Merken Sie, wie dieser Satz Anlauf nimmt, von Zeile zu Zeile ein paar Buchstaben hinzugewinnt, bis zu seinem Höhepunkt, der uns aus der unendlichen Weite des Universums zurückholt zu dem Punkt, mit dem er endet? 

Die deutsche Übersetzung bei Piper liest sich nicht ganz so gut.

«Am Anfang, Vor fast 14 Milliarden Jahren,
nahmen der gesamte Raum,
die gesamte Materie
und die gesamte Energie
des bekannten Universums
weniger als ein Billionstel der Grösse des Punktes ein,
der am Ende dieses Satzes steht.»

Schon die Silhouette des Satzes zeigt, dass er nicht an das Original heranreicht. Daher habe ich meine eigene Übersetzung an den Anfang dieses Textes gestellt. Sie bewahrt etwas mehr von dem Schwung des Originals:

«Am Anfang,
vor nahezu 14 Milliarden Jahren,
drängte sich
aller Raum,
alle Materie
und alle Energie
des bekannten Universums
auf kaum ein Billionstel der Grösse des Punktes,
der diesen Satz beendet.»

Das liegt am Rhythmus der Satzglieder und der dichteren Sprache. «Aller Raum, alle Materie und alle Energie» liest sich flüssiger als «der gesamte Raum, die gesamte Materie und die gesamte Energie» (und ist auch näher am Original). Ausserdem: Zwischen «nahmen» und «ein» (den beiden Teilen des Verbs einnehmen) liegen in der Piper-Übersetzung 21 Wörter. Das macht Mühe. Deshalb und weil das Verb ausdrucksstärker ist, habe ich «drängte sich» gewählt.

Die Klammer aus den gegensätzlichen Begriffen am Anfang und Ende des Satzes «In the beginning» und «ends this sentence.» klingt im Deutschen sogar noch etwas eindrucksvoller, weil das Wort «Anfang» weiter vorne steht und das «beendet» ganz am Schluss.

Ich wette, Neil deGrasse Tyson hätte gern «… of the period that this sentence ends.» formuliert. Shakespeare hätte das bestimmt getan. Aber heute lässt einem das kein Lektor mehr durchgehen.

4. Bringen Sie Ihre Leser zum Staunen

Der Einstieg von «Das Universum für Eilige» ist so stark, weil er einfach und anschaulich ist und weil er uns zum Staunen bringt.

Dass das Universum vor dem Urknall klein gewesen ist – klein gewesen sein muss – hatten wir uns schon gedacht.

Ein Feuerwerkskörper ist vor dem Knall auch klein und dann fliegen seine Funken über den ganzen Himmel. Also war auch das Universum vor dem Knall klein. Vielleicht so klein wie der Thunersee, das Matterhorn oder wengistens wie die Monte-Rosa-Hütte.

Aber nein, lernen wir. Noch viel, viel mikroskopisch kleiner war das ganze Universum; und trotzdem haben sich daraus alle Planeten, Sterne und Galaxien entwickelt.

Erstaunlich.

Staunen, das ist der grosse Hunger nach der Welt, der uns befällt, wenn wir den Zipfel von etwas Bemerkenswertem entdecken. Den Zipfel von etwas, das unsere Sicht der Welt verändert.

Dann lauschen wir voller Hingabe.

Sobald unser Bewusstsein die Welt wahrnimmt, beginnt das Staunen. Denn das Staunen ist für das Bewusstsein, was das Atmen für die Lunge ist.

Der Verlockung des Staunens kann sich niemand entziehen. Und die Wissenschaft hat jede Menge Material, das uns zum Staunen bringen kann; wenn sie auf die Leser zugeht, bis sie verstehen können, dass die fremde Einsicht ihre Welt berührt.

5. Bauen Sie Menshen in Ihre Geschichte ein

Menschen machen Wissenschaft interessant. Schauen Sie selbst, wie es Ihnen ergeht, wenn ich Ihnen noch etwas mehr über das Staunen erzähle. Dazu reisen wir ins Stockholm der 70er Jahre, zu Hugo Lagercrantz, der sich auf der Frühchen-Station des Stockholmer Karolinska-Krankenhauses die Frage stellte, wann das Bewusstsein beginnt.

Die Antwort vorweg: Zwischen der 24. und der 27. Schwangerschaftswoche, das wissen wir dank seiner Forschung, beginnt unser Bewusstsein (und mit ihm das Staunen).

Früher glaubte man, die ganz kleinen Frühchen könnten noch nichts empfinden. Daher wurden sie ohne Betäubung intubiert und auch sonst eher wie zerbrechliche, belebte aber empfindungslose Dinge behandelt.

Wie aber konnte es sein, wunderte sich Lagercrantz, dass die Frühchen sich zu entspannen schienen, wenn sie eine warme Hand spürten und zuckten, wenn sie ein Gummischlauch berührte? War das kein Hinweis auf Bewusstsein?

Diesem Zweifel ging er nach und dank seiner Forschung werden heute auch die Frühchen wie kleine Menschen umsorgt.

Merken Sie, wie viel interessanter es ist, Hugo Lagerkrantz auf seine Entdeckungsreise zu folgen, statt nur die Fakten zur Kenntnis zu nehmen?

Auch Neil deGrasse Tyson erzählt in seinem Buch viel über die Menschen, die unser modernes Bild vom Kosmos prägten. So zum Beispiel bei der «kosmischen Hintergrundstrahlung». Sie ist das schwache Nachbild des Urknalls, das wir heute noch überall als gleichförmigen Strahlungsteppich mit einer Temperatur von 2.725 Grad Kelvin messen können.

Die Entdeckung der Strahlung ist mit zwei Menschen verbunden, die 1964 zufällig darüber stolperten, als sie an einem besonders empfindlichen Mikrowellenempfänger schraubten.

In «Das Universum für Eilige» beginnt daher der Abschnitt über die Hintergrundstrahlung mit der amüsanten Geschichte von Arno Penzias und Robert Wilson, die sich über ein lästiges Rauschen in ihrem Empfänger ärgerten und so «versehentlich» die kosmische Hintergrundstrahlung entdeckten. Eine Entdeckung, für die sie 1978 den Nobelpreis erhielten. (Wo? In Stockholm, ganz in der Nähe von dem Krankenhaus, wo Hugo Lagercrantz zur gleichen Zeit den Anfängen des menschlichen Bewusstseins nachging.)

Wenn Sie ein wissenschaftliches Thema haben, dann stellen Sie eine Verbindung zu den Menschen her, die auf diesem Gebiet forschen; den Menschen, für die die Ergebnisse wichtig sein könnten oder den Menschen, die den Anstoss gaben, überhaupt erst in diese Richtung zu schauen.

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6. Erzählen Sie Ihre persönliche Version

Es gibt genau einen Menschen, dessen Auftritt Ihrem Text besonders hilft: Sie.

Wir interessieren uns für Fakten. Aber wir wollen auch wissen, von wem die Fakten stammen. Wir möchten die Persönlichkeit des Autors spüren, bevor wir uns auf sein Urteil einlassen.

Daher ermutige ich Sie: Erzählen Sie Ihre ganz persönliche Version Ihrer Geschichte.

Es ist kein Zufall, dass ich in diesem Artikel immer wieder Neil deGrasse Tysons Buch zitiert habe. Ich habe es mit Genuss und Gewinn gelesen, seine Vorträge auf Youtube (auf Englisch) angeschaut und mich dem Staunen hingegeben.

Dann passierte lange nichts und einige Monate später kam mir die Idee, aus genau dieser Erfahrung einen Artikel zu machen. Sie haben sicher gespürt, dass ich ein Fan seiner Bücher, seiner anschaulichen Sprache, seines Humors und seiner Entertainer-Qualitäten bin. Das hat diesem Artikel kein bisschen geschadet. So tönt es eben, wenn ich daraus meine Geschichte mache.

Wie nützlich die eigenen Erfahrungen (auch ausserhalb des Wissenschaftsbetriebs) für das wissenschaftliche Schreiben sein können, illustriert noch einmal eine Anekdote mit Neil deGrasse Tyson.

Es geht um ein Erlebnis, das den Unterschied zwischen Glaubenssätzen und Naturgesetzen illustriert und uns spüren lässt, wie Neil deGrasse Tyson «tickt»:

In einem Café in Pasadena (Kalifornieren), hatte Neil sich einen Kakao mit geschlagener Sahne bestellt. Als die Tasse kam, fehlte die Sahne.

Neil: «Auf meinemKakao fehlt die Sahne.»

Barista: « Doch doch, sie ist drin.»

Ne«Aber wo ist denn dann die Sahne?»

Barista: «Sie ist auf den Boden gesunken.»

Neil: «Entweder, die Gesetze der Physik, die im gesamten Universum gelten, sind in diesem Café ausser Kraft gesetzt oder Sie haben keine Schlagsahne auf den Kakao getan.»

Schliesslich musste der Barista «noch einmal» Sahne auf den Kakao geben und, siehe da, sie schwamm oben.

Was wir daraus lernen: Unsere Welt ist so wie sie ist, weil die Naturgesetze keine Pausen machen. Sie gelten auf den Monden des Jupiter, in meiner Garage und auch in jedem beliebigen Café in Kalifornieren. Und dank Neils persönlicher Geschichte werden Sie das nie mehr vergessen.

Das Wichtigste im Schnelldurchlauf:

  1. Machen Sie es anschaulich Von den unzähligen Möglichkeiten, die Winzigkeit des Anfangs zu benennen, nimmt Neil deGrasse Tyson den Punkt, den Sie direkt vor Augen haben.

  2. Achten Sie auf Emotionen Die Begeisterung fürs Thema darf auch in einem Sachtext durch die Zeilen drücken. Ausserdem: Wenn Sie ängstliche Menschen mit Argumenten erreichen wollen, müssen Sie einen Zweifel säen. Diesem Zweifel schicken Sie Ihre Argumente hinterher.

  3. Lassen Sie den Text klingen Vor allem in den entscheidenden Passagen lohnt es sich, an Melodie und Kadenz des Ausdrucks zu feilen. Für alle anderen Textteile gilt: Lesen Sie sie laut vor. Wenn das flüssig geht, ist die Melodie in Ordnung.

  4. Bringen Sie Ihre Leser zum Staunen Das Staunen ist der grosse Hunger nach der Welt, der uns befällt, wenn wir verstehen, dass eine fremde Einsicht unsere Welt berührt.

  5. Bauen Sie Menschen in Ihre Geschichte ein Menschen machen Wissenschaft interessant. Stellen Sie eine Verbindung zu den Menschen her, die auf diesem Gebiet forschen, die Ergebnisse gebrauchen können oder den Anstoss gaben, überhaupt erst in diese Richtung zu schauen.

  6. Erzählen Sie Ihre persönliche Version Wir interessieren uns für Fakten. Aber wir wollen auch wissen, von wem die Fakten stammen. Wir möchten die Persönlichkeit des Autors spüren, bevor wir uns auf sein Urteil einlassen.

Das wars für heute.

Herzliche Grüsse

Matthias Wiemeyer

Das wars für heute.

wiemeyer matthias rund

Herzliche Grüsse
Matthias Wiemeyer

Und hier ist die Liste aller Artikel über guten Schreibstil

Storytelling und Reden halten: Rezepte, die Sie noch nicht kannten [Storytelling ist die magische Zutat für gute Texte. Und beim Reden halten ist das Erzählen passender Geschichten die Geheimwaffe der Profis.]

 

Wie Sie spannende Wissenschaftstexte schreiben und Ihr Publikum begeistern [Wissenschaftstexte müssen nicht langweilig sein. Wenn sie uns zum Staunen bringen, sind sie so spannend, dass wir sie nicht mehr zur Seite legen können.]

 

Wie Sie unwiderstehliche (Produkt-)Texte schreiben [Wer Produkttexte schreibt, setzt gern die rosa Brille auf und schwelgt in Positivem. Aber: Solche Texte verkaufen schlecht. Gute Produkttexte brauchen einen Schuss Tabasco.]

 

Das Passiv: unverstanden, misshandelt, verschrien [Das passiv hat ein Imageproblem. Aber es ist unschuldig in Verruf geraten. Warum es besser ist als sein ruf, lesen Sie hier.]

 

 

Raymond Chandlers Katze: Der Text lebt vom Detail [3 kluge Tipps für bessere Texte aus den Briefen von Raymond Chandler – unter Mitwirkung seiner Katze «Tiki».]

 

Schulterblick: Text überarbeiten (Das Passiv ...) [Hier können Sie mir über die Schulter sehen und meine Gedanken lesen, während ich einem Text für die Veröffentlichung auf unserer Website letzten Schliff gebe.]

 

«The hill we climb» auf Deutsch – übersetzt von DeepL, Google und Microsoft [Können Online-Übersetzungsdienste auch Gedichte übersetzen? Ja, sie können es. Nicht perfekt, aber brauchbar. Vor allem DeepL.]

 

Verständliche Fachtexte schreiben: So liebts Ihr Leser  [Speziell für Ingenieure, Mikrobiologen, Ärzte, Softwareentwickler, Finanzplaner, Steuerberater und Soziologen: So bringen Sie Ihr Wissen verständlich aufs Papier.]

 

Das Lob der Verben: 16 gute Gründe, die Verben zu lieben[Das Lebendige an Ihren Texten wohnt im Land der Verben, weil sie beschreiben, wie das Hackebeil auf die Holzscheite kracht, ein Kätzchen sich die Pfoten leckt oder das Herz für eine Idee entflammt.]

 

Was Sie von Mark Twain über Adjektive lernen können [Das wissen nur wenige: Adjektive sind Textverschlimmerer. Die meisten sollte man ersatzlos streichen; dann sind die restlichen ein Gewinn.]

 

Konkret und bildhaft schreiben – so gehts [So wird aus Buchstabensuppe grosses Kopfkino: Wenn Sie die Leser auf Ihre Reise mitnehmen, statt nur darüber zu berichten.]

 

Bewerbungen, die begeistern: So kommen Sie ins Vorstellungsgespräch  [Die jungen Überflieger sind überall begehrt. Aber Charakterköpfe mit Lebenserfahrung werden oft frühzeitig aussortiert. Das lassen wir nicht zu.]

 

Der rote Faden: Rezepte [Wo der rote Faden fehlt, ist das Lesen eine Plackerei. Wer viel weiss, hat oft die grösste Mühe. Wir lotsen Sie durch schwieriges Gelände.]

 

Das treffende Wort: Reparaturanleitung für lahme Texte [Gute Texte brauchen rassige Wörter mit Strahlkraft und Aroma. Wie Sie die finden (und von den laschen Verliererwörtern unterscheiden) erklärt dieser Artikel.]

 

Texte, die zünden: Wie das Unmögliche möglich wird [Klug, gut gemeint, hilfreich: Das reicht nicht. Damit ein Text zündet, muss jedes Detail stimmen. Hier wirds erklärt.]

 

So geht spannend: 8 Tipps von Autor Peter Höner [Krimiautor Peter Höner erklärt Ihnen die 8 Methoden, um Spannung zu erzeugen und bis zum Höhepunkt am Lodern zu halten.]

 

Briefe für den Mülleimer: Machen Sies besser [Was unterscheidet einen gelungenen Werbebrief von hilfloser Reklame? Wir erklären es an einem echten Beispiel.]

 

So schreibt man heute: die wichtigen Kleinigkeiten für Ihre Korrespondenz [Zeitgemässer Briefstil läuft anders als vor 20 Jahren. Wir erklären den modernen Standard.]

Anschaulich Schreiben – 8 Tipps für Kopfkino und fesselnde Geschichten [Asta Nielsen war die berühmteste Diva des Stummfilms. Sie hatte keine Worte. Die Kraft der Bilder musste genügen. Von ihr können Sie überraschend viel für spannende Texte lernen.]

 

Das Weihnachtselend – Backanleitung für lesenswerte Weihnachtskarten [Wenn sie mal eine Weihnachtskarte (oder Geburtstags- oder Glückwunschkarte) schreiben möchten, die so richtig zu Herzen geht, lesen Sie diese Tipps.]

 

Was tun gegen Schreibblockaden? [Wenns mit dem Schreiben stockt, muss man vor allem mit dem Trübsalblasen aufhören. Dann gehts irgendwann schon wieder. Und in der Zwischenzeit (zur Belebung ihrer kreativen Quellen) machen Sie Barbara Lukeschs Übung zum karierten Schreiben.]

Ausserdem: Wenn Sie Fehler in Rechtschreibung und Grammatik suchen, haben wir hier die gleiche Übersicht zum Thema «Korrekte Texte». Und hier ist unsere Übersicht mit allen Artikeln über Online-Marketing.

Illustration: Unwiderstehliche Produkttekte schreiben

Wie Sie unwiderstehliche (Produkt-)Texte schreiben

Heute geht es darum, was ich durchs Velofahren über Texte gelernt habe. Vielen Texten fehlt eine würzende Zutat, die aus flauem Wortbrei schmackhafte Leckerbissen macht. Die Zutat passt auch zu anderen Texten. Aber bei Produkttexten fehlt sie fast immer.

Ilustration zum Konjunktiv: Ein Paar steht sich zweifelnd gegenüber

Wir retten den Konjunktiv – Teil 1

Hier ist er, mein ausführlicher und leicht verständlicher Blogartikel über den Konjunktiv – mit Bildungsregeln, Verbtabellen und allem drum und dran. Für Konjunktiv I und Konjunktiv II (Irrealis). Damit Sie immer wissen, welcher Konjunktiv wohin gehört und wie die korrekte Form gebildet wird.

fremdwoerter

Zweifelsfälle der Rechtschreibung: «Neues» von den Fremdwörtern.

Fremdwörter haben viele Nachteile und wenige Vorteile. Dazu kommen wir noch.

Für heute gehen wir davon aus, dass Sie Ihre Fremdwörter aus gutem Grund benutzen und die korrekte Schreibung nach der (nicht mehr ganz) neuen Rechtschreibung kennen möchten.

Zweifelsfaelle der Rechtschreibung

Zweifelsfälle der Rechtschreibung: 52 Stolperfallen zum Vermeiden

Die deutsche Sprache kennt eine lange Liste orthografisch schwieriger Wörter. Einige Schreibratgeber, auch die Duden-Redaktion, geben sogar Listen solcher Wörter heraus.

british american

Zweifelsfälle der Rechtschreibung: die Anglizismen

Wie läuft das mit der Gross- und Kleinschreibung und der Grammatik, wenn Sie einen Anglizismus benutzen?

Gute Frage. Die Antwort ist vergleichsweise einfach. Aber viele kennen sie nicht.