zoff am himmelSonne und Regen sind zerstritten und weigern sich, am alljährlichen Regenbogenfest von König Karl einen dazugehörenden Regenbogen am Himmel zu zaubern...

Daniela und Isabella Cianciarulo

Zoff am Himmel

Das Regenbogenfest steht vor der Tür, und darauf freut sich das ganze Volk schon seit Wochen. Karl, der König, hat lange an seinem Festtagsgedicht herumgefeilt, um bei seiner Ansprache sein Volk damit zu beeindrucken. 

"Unsre Sonne schenkt uns Wonne, und der Regen bringt uns Segen. Doch nur, wenn beide sich vereinen, wird der Regenbogen für uns alle scheinen", trägt der König es seinem Kammerdiener nochmals vor.
"Wunderprächtig, Eure Hoheit. Das Volk wird begeistert sein!", antwortet der Kammerdiener.


"Da bin ich mir nicht so sicher", meint der König und blickt zum Himmel hoch.
Ob es morgen mit dem Regenbogen klappt, ist alles andere als gewiss. Seit Wochen haben sich weder Regen noch Sonne blicken lassen. Die beiden haben sich zerstritten und, obwohl Benno, der Baumelf, zwischen den beiden zu vermitteln versucht hat, haben sie sich offensichtlich für das anstehende Fest nicht versöhnt. 
"Hallo Regen! Liebe Sonne! Wir brauchen euch beide! Wollt ihr euch bitte versöhnen? Es ist doch Regenbogenfesttag. Wenn ihr nicht mitmacht, betrübt ihr uns alle und es gibt nichts zu feiern!", ruft der König zum Himmel hinauf. 
Doch es herrscht graues Wolkeneinerlei. Kein Regentröpfchen, nicht der kleinste Sonnenstrahl.
"Für jeden Tropfen und jeden Sonnenstrahl gebe ich euch morgen eine Goldmünze", versucht der König die beiden zu überzeugen. 
Als sich weder der Regen noch die Sonne für kein Gold der Welt zeigen, herrscht der König beide an: "Ich befehle euch, auf mein Geheiss hin, zu erscheinen!"
Wieder tut sich nichts am Himmel. 
"Hol' mir geschwind das Festtagskomitee her!", beauftragt der König seinen Kammerdiener.
Als alle im Schlosspark eingetroffen sind, will der König von Benno wissen, warum er die beiden Streithähne nicht zur Besinnung gebracht hat.
"Der Regen meint immer noch, er sei wichtiger als die Sonne, denn ohne ihn, würden alle Pflanzen verdursten. Und die Sonne hält sich für viel wichtiger, weil ohne ihre warmen Strahlen kein einziger Samen in der Erde zu einem Pflänzchen heranwachsen würde", erklärt Benno.
"Wie kann man nur so stur sein!", wettert der König ungeduldig.
"Max, dann zauberst du mir halt einen Regenbogen! Das sollte ja nicht so schwierig sein!", befiehlt der König dem Magier.
"Werter König, ich habe leider ausgerechnet heute morgen bei der Pilzsuche im Wald meinen Zauberstab verloren, und ohne ihn, kann ich nicht mal eine Fliege in einen Elefanten verwandeln", entschuldigt sich Max beim König.
"Verflixt noch mal, was musst du auch ausgerechnet heute Pilze suchen gehen!", beschwert sich der König.
"Und was ist mit dir, Wilma, du hast doch sonst für jedes Wehwehchen das passende Kraut?", fragt der König die Waldfee.
"Ich kann Ihnen Baldriantee für die Nerven geben", antwortet die Waldfee.
"Verwunschener Furunkel! Es muss doch jemanden geben, der uns helfen kann! Wie werde ich denn dastehen bei den geladenen Königshäusern, wenn ich nicht mal für einen anständigen Regenbogen sorgen kann?! Gabi, ich fordere ein Stück von deinem Glück!", ordert der König und lässt sich betrübt in seinen Thron fallen.
"Mit dem Glück ist es wie mit der Brille: man hat sie auf der Nase und weiss es nicht", antwortet Gabi, das Glückskind.
"Was soll denn das wieder heissen? Ich trage keine Brille!", antwortet der König verwirrt.
"Ich will sagen, dass Ihr Euch nicht nicht zu schade sein solltet, Zino, den Zwerg, um Hilfe zu bitten. Er ist der einzige, der um die Geheimnisse des Wetters weiss", erklärt ihm Gabi.
"Auf keinen Fall! Habt ihr schon vergessen, wie er beim Regenbogenfest respektlos gelacht hat, als ich mich beim Aufsagen meines Festtagsgedichtes einmal verhaspelt habe?"
"Also, ehrlich gesagt, habt Ihr vorher ein zwei Gläser Apfelschnaps zu viel getrunken und ziemlich viele Wörter verdreht. Es klang schon sehr lustig, was Ihr da von Euch gegeben habt. Ich tanz' auf dem Regen der Sonne entgegen, ich wünsch mir 'nen Bart voll Farbe ganz zart", frischt Wilma das Gedächtnis des Königs auf. 
"So ein Quatsch!", fährt der König ihr ins Wort.
"Nun, denn. Wie Ihr meint. Jedenfalls habt Ihr Zino wohl nun genug gestraft. Zehn Jahre Festverbot sollten reichen. Ausserdem steht bald die Neuwahl des Königs vor der Tür und da solltet Ihr Eurem Volk beweisen, dass Ihr alles unternehmt, um es glücklich und zufrieden zu sehen. Ein Fest ohne Regenbogen würde da nur als schlechtes Omen gedeutet werden", spricht Gabi dem König ins Gewissen.
"Verknorzter Pflaumenbaum, dann holt diesen Giftzwerg her und sagt ihm, dass er nicht mehr verbannt ist!", lenkt der König ein.

 Zum Glück ist Zino, der Zwerg, nicht nachtragend, und kommt dem König und vor allem dem Volk gerne zur Hilfe.
"Hallo Regen! Liebe Sonne! Verschwendet nicht unnötig zehn Jahre wie der König und ich. Lasst uns lieber Feste feiern als griesgrämig schmollend unsere Zeit vergeuden. Jeder Regentropfen, jeder Sonnenstrahl macht das Leben lebenswert! Nur gemeinsam bringen wir die Dinge zum Blühen", spricht Zino den beiden zu.
"Ich überleg's mir", meint der Regen.
"In diesem Fall, überleg ich's mir auch. Aber versprechen, tu ich nichts!", schmollt die Sonne und verzieht sich wieder hinter einer dunklen Wolke.

 Am Tag des Regenbogenfestes blickt der König bang in den Himmel. Und tatsächlich. Als er vor versammeltem Volk sein Regenbogengedicht vorträgt, streckt die Sonne ihren Kopf hinter den Wolken hervor. Und wie durch Zauberhand ergiesst sich der prächtigste Regen übers Land. 

"Unsre Sonne schenkt uns Wonne, und der Regen bringt uns Segen. Doch nur, wenn beide sich vereinen, wird der Regenbogen für uns alle scheinen!", trägt der König stolz sein Gedicht vor, und zwinkert Zino zu, während ein schillernder Regenbogen das Herz aller Anwesenden erfreut.

ENDE